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Wie stellen sich die Veränderungen im Kernwaffenbereich für die NATO dar?

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Welche Rolle spielen Nuklearthemen in der NATO? Wie sieht das Bündnis der Veränderungen in der politischen Landschaft auf dem Gebiet der Kernwaffen in diesem Jahr, und wie schlägt dies sich im neuen Strategischen Konzept nieder?

 Untertitel: An / Aus

Guy Roberts,

das neue Strategische Konzept der NATO:

inwieweit spielen Nuklearthemen

darin eine Rolle und

welche Auswirkungen wird es

auf diese Themen haben?

Im neuen Strategischen

Konzept wird es einen Abschnitt über

die Abschreckungshaltung des

Bündnisses im Nuklearbereich geben.

Natürlich war das Thema in den Strategischen

Konzepten von 1991 und 1999

von herausragender Bedeutung.

Heute aber ist die nukleare Abschreckung

aufgrund des aktuellen

Sicherheitsumfelds

in unserer gesamten Abschreckungs-

haltung nicht mehr so bedeutsam,

weil die Bedrohungen, auf die sie

sich bezieht, weit entfernt sind.

Daher nehme ich an, dass unsere

nukleare Abschreckung im neuen

Strategischen Konzept zwar wesentlich

geringere Erwähnung finden wird,

aber auf jeden Fall noch erwähnt

werden wird.

Wie das aussehen wird,

um die Frage vorwegzunehmen...

Ich glaube, dass die Grundpfeiler

unserer aktuellen Abschreckung

bleiben werden, nämlich die Überzeugung,

dass Abschreckung weiterhin notwendig ist.

Als Bündnis halten wir die

Abschreckung für wichtig,

für einen festen Bestandteil

unserer Sicherheitslage.

Zweitens, dass es in Europa

weiterhin eine amerikanische

Kernwaffenpräsenz geben wird,

wie jüngst im Bericht der

Expertengruppe um Madeline

Albright bestätigt,

weil die transatlantische

Verbindung so wichtig ist,

dieses Engagement für

die Sicherheit Europas

und der europäischen

Bündnispartner einerseits

und für den dritten

Grundpfeiler andererseits,

das heißt Lastenverteilung

und Konsultation.

Die Länder glauben, dass es wichtig ist,

die Gefahr dieser Abschreckung zu verteilen.

Manche Länder äußern den Wunsch,

dass NATO-Kernwaffen von

ihrem Staatsgebiet abgezogen

werden sollten.

Wie reagiert die NATO darauf?

Nun, dieser Gedanke wurde nicht

nur von Ländern vorgebracht,

sondern auch von Think Tanks, und

wir als Bündnis

sollten dies untersuchen und

unsere Kernwaffen-Abschreckung

überprüfen.

Wir glauben an diese Abschreckung,

sie schreckt potenzielle Gegner ab,

verhindert die Ausübung

von Zwang,

ist so angelegt, dass wir

niemals in den Krieg ziehen müssen,

aber sie muss in dem neuen

Umfeld überprüft werden.

Selbstverständlich haben wir das

Sicherheitsumfeld bereits überprüft

und diese Zahlen auf einen

sehr geringen Wert gedrückt.

Wir haben nur einige hundert

Kernwaffen, die frei fallende B61-Bombe,

US-amerikanische Waffen in Europa heute.

Diese Vorschläge wurden vorrangig

von Deutschland gemacht,

der Schlüsselfaktor aber ist, dass

alle diese Nationen,

auch Deutschland, nachdrücklich

betont haben, dass jede Entscheidung

über den Abzug von Kernwaffen

aus einem Land, jede Entscheidung

über eine Veränderung der Konfiguration,

der Zusammensetzung,

des Standortes dieser Waffen

als Bündnis getroffen werden muss

und auf einem Konsens

beruhen muss.

Das Element der

Raketenabwehr

ist insbesondere im Kontext

des neuen Konzepts erörtert worden.

Gegen wen soll dieses System verteidigen?

Nun, die Raketenabwehr ist Teil

unserer globalen Abschreckungshaltung.

Ich beschreibe dies als

ganzheitliche Abschreckung.

Wenn wir ein robustes System

zur Raketenabwehr einrichten,

werden potenzielle Gegner

wohl daran zweifeln,

dass ein Raketenangriff

gelingen wird.

Dies wird sie dann hoffentlich

von dem Gedanken abbringen,

dass sie aus einem Angriff auf uns

politisches Kapital schlagen können.

Es ist sehr relevant. Es ergänzt unsere

nukleare Abschreckung,

unsere konventionellen und

anderweitigen Kapzitäten.

Es gibt über 30 Nationen, die

ballistische Raketen entwickeln.

Es gibt viele Nationen, die

Raketenabwehrsysteme entwickeln.

Ich sage immer gerne, dass Europa

bereits ein Raketenabwehrsystem hat,

nämlich die ... ich glaube,

80 Abfangraketen um Moskau herum.

Unsere russischen Kollegen

glauben an die Raktenabwehr.

Wir hoffen, mit ihnen

zusammenzuarbeiten

und beim Aufbau eines kooperativen

Raketenabwehrsystems zu helfen.

Manche sagen - darunter auch

Außenministerin Clinton -,

dass eine der Gefahren darin besteht,

dass nicht andere Länder

kernwaffenfähiges Material oder

Kernwaffen erhalten,

sondern dass nichtstaatliche Akteure

eines davon erhalten.

Welches ist Ihre Reaktion, und wie

bereitet die NATO sich darauf vor?

Die NATO prüft, wie wir die

Fähigkeiten entwickeln können,

wie wir in erster Linie unsere

Abwehrhaltung so strukturieren können,

dass potenzielle Gegner

hoffentlich zu der Überzeugung

gelangen, dass dies

keine gute Vorgehensweise ist.

Wir können dies unter anderem

erreichen durch eine

Zusammenarbeit mit unseren

Bündnispartnern, mit den Ländern

innerhalb des Bündnisses,

mit anderen Organisationen

wie der IAEA,

um die Fähigkeit zu entwickeln,

jede Kernexplosion, jede Zündung

einer schmutzigen Bombe oder einer

radiologischen Waffe auf ein bestimmtes

Land oder einen Standort zurückzuführen.

So können wir die Dinge zurückverfolgen

und jeden Staat haftbar machen, der

terroristischen Gruppierungen solches

Material verschafft.

Wir haben einige robuste

Nichtverbreitungsaktivitäten,

um sicherzustellen, dass Material nicht

weitergegeben, nicht geschmuggelt oder

gestohlen und an Terroristen weitergegeben

werden kann,

die dann selbst radiologische Waffen

oder irgendeine schmutzige

Bombe entwickeln könnten.

Die NATO umfasst viele Länder mit

unterschiedlicher Haltung in diesen Fragen.

Wir haben bereits Deutschland und

seine jüngsten Aussagen erwähnt.

Die Position der USA zu Nuklearfragen

entwickelt sich laufend.

Wie vereint die NATO diese zu

einer einheitlichen Politik?

Ich glaube, es gibt nur

graduelle Unterschiede.

Einerseits sind einige Länder

innerhalb des Bündnisses

von der Bedeutung der Abrüstung,

der Rüstungskontrolle und der

Nichtverbreitung überzeugt.

Alle Länder glauben, dass dies

alles wichtig ist;

die Unterschiede sind nur graduell.

Einige betonen diesen Aspekt stärker.

Andere legen größeres Gewicht auf eine

glaubwürdige nukleare Abschreckung.

Alle unsere Nationen unterstützen die

Idee einer glaubwürdigen Abschreckung.

Präsident Obama sagte in seiner

letztjährigen Rede in Prag, bei der

es um eine Welt ohne Atomwaffen ging,

dass wir weiterhin eine nukleare

Abschreckung aufrechterhalten,

bis diese Welt ohne Atomwaffen

verwirklicht ist.

Länder, die sich für einen

Abzug von Kernwaffen aus Europa

ausgesprochen haben, taten dies

im Kontext eines

Prozesses zur

Rüstungskontrolle,

z.B. eines Prozesses der

Zusammenarbeit mit Russland,

um alle taktischen Atomwaffen

aus Europa abzuziehen.

Dies sollte als Teil eines Prozesses

der Rüstungskontrolle erfolgen.

So können wir unsere Sicherheit

verbessern; einseitige Abrüstungsmaßnahmen

werden von den meisten Ländern

als Gefährdung unserer Sicherheit gesehen.

Eines der Kriterien, um dies

alles zusammenzubringen,

ist also dieses Sicherheitshema.

Darum geht es.

Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit.

Und wenn ein Land einen

Vorschlag machen kann,

der nachweislich unsere

Sicherheit verbessert,

wird der Vorschlag von

allen Verbündeten akzeptiert.

Dies ist die Norm, an der wir

diese Vorschläge messen, und

ich denke, dass es breite

Möglichkeiten für Einigungen gibt,

und genau dies werden wir mit

dem Strategischen Konzept tun.

Wir werden uns durch all diese

Fragen und Vorschläge arbeiten.

Glauben Sie, dass 2010 zu einem

Schlüsseljahr für Nuklearthemen wird,

mit dem START-Vertrag und

dem Gipfel zur nuklearen Sicherheit?

Und - abgesehen von diesen Ereignissen -

scheint es ein Jahr zu sein,

in dem viele Länder,

die sich zum ersten Mal

um das Thema Atomwaffen kümmern,

wie Brasilien, Südafrika usw.,

entscheiden werden,

ob sie die bestehende Ordnung

unterstützen

oder versuchen, Änderungen der Atomwaffen-

Besitzverhältnisse vorzunehmen.

Glauben Sie, dass diese Themen

in diesem Jahr in den Vordergrund treten?

Ich glaube ja. Dieses Jahr zeichnet sich

aus durch den Impetus

der neuen US-Regierung, das

Engagement von Präsident Obama,

dem Streben nach einer Welt,

in der Kernwaffen weiter abgebaut werden,

neues Leben einzuhauchen,

um zu einem Punkt zu gelangen,

an dem wir die Bedingungen

für eine

Welt ohne Atomwaffen schaffen können.

Das hat vielen Ländern und

vielen Menschen Hoffnung gegeben,

dass wir dies mit harter

Arbeit erzielen können,

doch es wird ein langwieriger

Prozess, in dem wir die Bedingungen

schaffen müssen, unter denen wir darauf

vertrauen können, dass die Welt tatsächlich keine

Atomwaffen besitzt, wenn wir dies sagen,

und in dem wir die Bedingungen schaffen,

unter denen jene, die versuchen,

sich Atomwaffen zu beschaffen,

hierfür einen hohen Preis zahlen müssen.

Eine der Fragen, die man sich

jedoch stellen muss, ist,

(und darum wird dies so lange

dauern)

wie können wir die Bedingungen

schaffen, um einen erneuten großen

Machtkampf wie im Jahr 1945

zu vermeiden?

Welche Art Welt erschaffen wir

ohne Atomwaffen?

Die Welt von 1914?

Die Welt von 1939?

Diese Art Welt wollen wir nicht mehr,

in der wir die Atomwaffen entsorgt

haben und uns dann in einer Situation

befinden, in der Millionen Menschen

ihr Leben lassen.

Wir müssen dies schrittweise tun.

Meine abschließende Frage:

Welches ist Ihre persönliche Meinung

betreffend den Weg zu einer

globalen Nulllösung?

Präsident Obama hat ja in Bezug auf

eine globale atomare Nulllösung gesagt,

dass er dies ggf. nicht mehr

selbst erleben wird.

Wann wird eine solche Lösung

möglich sein? Ist sie vollständig realisierbar?

Und welches sind die größten

Hindernisse?

Das ist eine persönliche Frage.

Ich denke schon, dass es möglich ist,

aber es wird sehr viel harte

Arbeit voraussetzen.

1961 schrieb Fred Iklé einen

Artikel für die Zeitschrift "Foreign Affairs",

ich glaube mit dem Titel

"After non-compliance what?"

Das war noch vor der Einführung

irgendwelcher Rüstungskontrollen.

Es gab keinen NPT, kein Übereinkommen

zu chemischen oder biologischen Waffen,

nichts von alledem.

Und er schrieb:

Nummer eins ist die

Frage nach der Verifikation.

Welche Mechanismen

können wir einrichten, um

sicherzustellen, dass nicht

geschummelt wird?

Denn in einer Welt ohne Atomwaffen hat der,

der sich zuerst solche Waffen beschafft,

einen riesigen Vorteil.

Wir müssen sicherstellen,

dass dies nicht geschieht.

Und dies ist mit dem zweiten Aspekt,

der zweiten Bedingung verknüpft:

Welches sind die Mechanismen

zur Sicherstellung der Konformität?

Wie stellen wir sicher, dass ein

Schummler so hohe Kosten tragen muss,

dass es sich für ihn ganz einfach

nicht lohnt?

Leider sind unsere diesbezüglichen

Ergebnisse sehr unzulänglich.

Dies bereitet uns allen Sorgen.

Der offensichtliche Fall ist Nordkorea.

Das Land hat sich aus dem NPT zurückgezogen,

hat zwei Tests durchgeführt,

den Vorteil der NPT-Mitgliedschaft gehabt,

ohne dafür Kosten zu tragen,

und nun ist es eines unserer

größten Nichtverbreitungs-

bzw. Verbreitungsprobleme.

An zweiter Stelle wäre der Iran zu nennen.

Trotz zahlreicher Resolutionen

des Sicherheitsrates gibt es

keinen Fortschritt bei der Frage,

wie wir sicherstellen können,

dass das Land keine

Nuklearwaffen erwirbt.

Wir müssen also das

Vertrauen aufbauen,

dass wir die Mechanismen einrichten

können, um Länder daran zu hindern,

sich Atomwaffen zu beschaffen, und

um die Atomwaffen zu entsorgen und

sicherzustellen, dass sie nicht

wieder zurückkommen und

erneut zu einem Sicherheitsproblem

für uns werden können.

Ich denke, dass dies

möglich sein sollte,

aber wahrscheinlich werde

ich dies selbst nicht mehr erleben.

Guy Roberts, vielen Dank!

- Danke, es war mir ein Vergnügen.

Guy Roberts,

das neue Strategische Konzept der NATO:

inwieweit spielen Nuklearthemen

darin eine Rolle und

welche Auswirkungen wird es

auf diese Themen haben?

Im neuen Strategischen

Konzept wird es einen Abschnitt über

die Abschreckungshaltung des

Bündnisses im Nuklearbereich geben.

Natürlich war das Thema in den Strategischen

Konzepten von 1991 und 1999

von herausragender Bedeutung.

Heute aber ist die nukleare Abschreckung

aufgrund des aktuellen

Sicherheitsumfelds

in unserer gesamten Abschreckungs-

haltung nicht mehr so bedeutsam,

weil die Bedrohungen, auf die sie

sich bezieht, weit entfernt sind.

Daher nehme ich an, dass unsere

nukleare Abschreckung im neuen

Strategischen Konzept zwar wesentlich

geringere Erwähnung finden wird,

aber auf jeden Fall noch erwähnt

werden wird.

Wie das aussehen wird,

um die Frage vorwegzunehmen...

Ich glaube, dass die Grundpfeiler

unserer aktuellen Abschreckung

bleiben werden, nämlich die Überzeugung,

dass Abschreckung weiterhin notwendig ist.

Als Bündnis halten wir die

Abschreckung für wichtig,

für einen festen Bestandteil

unserer Sicherheitslage.

Zweitens, dass es in Europa

weiterhin eine amerikanische

Kernwaffenpräsenz geben wird,

wie jüngst im Bericht der

Expertengruppe um Madeline

Albright bestätigt,

weil die transatlantische

Verbindung so wichtig ist,

dieses Engagement für

die Sicherheit Europas

und der europäischen

Bündnispartner einerseits

und für den dritten

Grundpfeiler andererseits,

das heißt Lastenverteilung

und Konsultation.

Die Länder glauben, dass es wichtig ist,

die Gefahr dieser Abschreckung zu verteilen.

Manche Länder äußern den Wunsch,

dass NATO-Kernwaffen von

ihrem Staatsgebiet abgezogen

werden sollten.

Wie reagiert die NATO darauf?

Nun, dieser Gedanke wurde nicht

nur von Ländern vorgebracht,

sondern auch von Think Tanks, und

wir als Bündnis

sollten dies untersuchen und

unsere Kernwaffen-Abschreckung

überprüfen.

Wir glauben an diese Abschreckung,

sie schreckt potenzielle Gegner ab,

verhindert die Ausübung

von Zwang,

ist so angelegt, dass wir

niemals in den Krieg ziehen müssen,

aber sie muss in dem neuen

Umfeld überprüft werden.

Selbstverständlich haben wir das

Sicherheitsumfeld bereits überprüft

und diese Zahlen auf einen

sehr geringen Wert gedrückt.

Wir haben nur einige hundert

Kernwaffen, die frei fallende B61-Bombe,

US-amerikanische Waffen in Europa heute.

Diese Vorschläge wurden vorrangig

von Deutschland gemacht,

der Schlüsselfaktor aber ist, dass

alle diese Nationen,

auch Deutschland, nachdrücklich

betont haben, dass jede Entscheidung

über den Abzug von Kernwaffen

aus einem Land, jede Entscheidung

über eine Veränderung der Konfiguration,

der Zusammensetzung,

des Standortes dieser Waffen

als Bündnis getroffen werden muss

und auf einem Konsens

beruhen muss.

Das Element der

Raketenabwehr

ist insbesondere im Kontext

des neuen Konzepts erörtert worden.

Gegen wen soll dieses System verteidigen?

Nun, die Raketenabwehr ist Teil

unserer globalen Abschreckungshaltung.

Ich beschreibe dies als

ganzheitliche Abschreckung.

Wenn wir ein robustes System

zur Raketenabwehr einrichten,

werden potenzielle Gegner

wohl daran zweifeln,

dass ein Raketenangriff

gelingen wird.

Dies wird sie dann hoffentlich

von dem Gedanken abbringen,

dass sie aus einem Angriff auf uns

politisches Kapital schlagen können.

Es ist sehr relevant. Es ergänzt unsere

nukleare Abschreckung,

unsere konventionellen und

anderweitigen Kapzitäten.

Es gibt über 30 Nationen, die

ballistische Raketen entwickeln.

Es gibt viele Nationen, die

Raketenabwehrsysteme entwickeln.

Ich sage immer gerne, dass Europa

bereits ein Raketenabwehrsystem hat,

nämlich die ... ich glaube,

80 Abfangraketen um Moskau herum.

Unsere russischen Kollegen

glauben an die Raktenabwehr.

Wir hoffen, mit ihnen

zusammenzuarbeiten

und beim Aufbau eines kooperativen

Raketenabwehrsystems zu helfen.

Manche sagen - darunter auch

Außenministerin Clinton -,

dass eine der Gefahren darin besteht,

dass nicht andere Länder

kernwaffenfähiges Material oder

Kernwaffen erhalten,

sondern dass nichtstaatliche Akteure

eines davon erhalten.

Welches ist Ihre Reaktion, und wie

bereitet die NATO sich darauf vor?

Die NATO prüft, wie wir die

Fähigkeiten entwickeln können,

wie wir in erster Linie unsere

Abwehrhaltung so strukturieren können,

dass potenzielle Gegner

hoffentlich zu der Überzeugung

gelangen, dass dies

keine gute Vorgehensweise ist.

Wir können dies unter anderem

erreichen durch eine

Zusammenarbeit mit unseren

Bündnispartnern, mit den Ländern

innerhalb des Bündnisses,

mit anderen Organisationen

wie der IAEA,

um die Fähigkeit zu entwickeln,

jede Kernexplosion, jede Zündung

einer schmutzigen Bombe oder einer

radiologischen Waffe auf ein bestimmtes

Land oder einen Standort zurückzuführen.

So können wir die Dinge zurückverfolgen

und jeden Staat haftbar machen, der

terroristischen Gruppierungen solches

Material verschafft.

Wir haben einige robuste

Nichtverbreitungsaktivitäten,

um sicherzustellen, dass Material nicht

weitergegeben, nicht geschmuggelt oder

gestohlen und an Terroristen weitergegeben

werden kann,

die dann selbst radiologische Waffen

oder irgendeine schmutzige

Bombe entwickeln könnten.

Die NATO umfasst viele Länder mit

unterschiedlicher Haltung in diesen Fragen.

Wir haben bereits Deutschland und

seine jüngsten Aussagen erwähnt.

Die Position der USA zu Nuklearfragen

entwickelt sich laufend.

Wie vereint die NATO diese zu

einer einheitlichen Politik?

Ich glaube, es gibt nur

graduelle Unterschiede.

Einerseits sind einige Länder

innerhalb des Bündnisses

von der Bedeutung der Abrüstung,

der Rüstungskontrolle und der

Nichtverbreitung überzeugt.

Alle Länder glauben, dass dies

alles wichtig ist;

die Unterschiede sind nur graduell.

Einige betonen diesen Aspekt stärker.

Andere legen größeres Gewicht auf eine

glaubwürdige nukleare Abschreckung.

Alle unsere Nationen unterstützen die

Idee einer glaubwürdigen Abschreckung.

Präsident Obama sagte in seiner

letztjährigen Rede in Prag, bei der

es um eine Welt ohne Atomwaffen ging,

dass wir weiterhin eine nukleare

Abschreckung aufrechterhalten,

bis diese Welt ohne Atomwaffen

verwirklicht ist.

Länder, die sich für einen

Abzug von Kernwaffen aus Europa

ausgesprochen haben, taten dies

im Kontext eines

Prozesses zur

Rüstungskontrolle,

z.B. eines Prozesses der

Zusammenarbeit mit Russland,

um alle taktischen Atomwaffen

aus Europa abzuziehen.

Dies sollte als Teil eines Prozesses

der Rüstungskontrolle erfolgen.

So können wir unsere Sicherheit

verbessern; einseitige Abrüstungsmaßnahmen

werden von den meisten Ländern

als Gefährdung unserer Sicherheit gesehen.

Eines der Kriterien, um dies

alles zusammenzubringen,

ist also dieses Sicherheitshema.

Darum geht es.

Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit.

Und wenn ein Land einen

Vorschlag machen kann,

der nachweislich unsere

Sicherheit verbessert,

wird der Vorschlag von

allen Verbündeten akzeptiert.

Dies ist die Norm, an der wir

diese Vorschläge messen, und

ich denke, dass es breite

Möglichkeiten für Einigungen gibt,

und genau dies werden wir mit

dem Strategischen Konzept tun.

Wir werden uns durch all diese

Fragen und Vorschläge arbeiten.

Glauben Sie, dass 2010 zu einem

Schlüsseljahr für Nuklearthemen wird,

mit dem START-Vertrag und

dem Gipfel zur nuklearen Sicherheit?

Und - abgesehen von diesen Ereignissen -

scheint es ein Jahr zu sein,

in dem viele Länder,

die sich zum ersten Mal

um das Thema Atomwaffen kümmern,

wie Brasilien, Südafrika usw.,

entscheiden werden,

ob sie die bestehende Ordnung

unterstützen

oder versuchen, Änderungen der Atomwaffen-

Besitzverhältnisse vorzunehmen.

Glauben Sie, dass diese Themen

in diesem Jahr in den Vordergrund treten?

Ich glaube ja. Dieses Jahr zeichnet sich

aus durch den Impetus

der neuen US-Regierung, das

Engagement von Präsident Obama,

dem Streben nach einer Welt,

in der Kernwaffen weiter abgebaut werden,

neues Leben einzuhauchen,

um zu einem Punkt zu gelangen,

an dem wir die Bedingungen

für eine

Welt ohne Atomwaffen schaffen können.

Das hat vielen Ländern und

vielen Menschen Hoffnung gegeben,

dass wir dies mit harter

Arbeit erzielen können,

doch es wird ein langwieriger

Prozess, in dem wir die Bedingungen

schaffen müssen, unter denen wir darauf

vertrauen können, dass die Welt tatsächlich keine

Atomwaffen besitzt, wenn wir dies sagen,

und in dem wir die Bedingungen schaffen,

unter denen jene, die versuchen,

sich Atomwaffen zu beschaffen,

hierfür einen hohen Preis zahlen müssen.

Eine der Fragen, die man sich

jedoch stellen muss, ist,

(und darum wird dies so lange

dauern)

wie können wir die Bedingungen

schaffen, um einen erneuten großen

Machtkampf wie im Jahr 1945

zu vermeiden?

Welche Art Welt erschaffen wir

ohne Atomwaffen?

Die Welt von 1914?

Die Welt von 1939?

Diese Art Welt wollen wir nicht mehr,

in der wir die Atomwaffen entsorgt

haben und uns dann in einer Situation

befinden, in der Millionen Menschen

ihr Leben lassen.

Wir müssen dies schrittweise tun.

Meine abschließende Frage:

Welches ist Ihre persönliche Meinung

betreffend den Weg zu einer

globalen Nulllösung?

Präsident Obama hat ja in Bezug auf

eine globale atomare Nulllösung gesagt,

dass er dies ggf. nicht mehr

selbst erleben wird.

Wann wird eine solche Lösung

möglich sein? Ist sie vollständig realisierbar?

Und welches sind die größten

Hindernisse?

Das ist eine persönliche Frage.

Ich denke schon, dass es möglich ist,

aber es wird sehr viel harte

Arbeit voraussetzen.

1961 schrieb Fred Iklé einen

Artikel für die Zeitschrift "Foreign Affairs",

ich glaube mit dem Titel

"After non-compliance what?"

Das war noch vor der Einführung

irgendwelcher Rüstungskontrollen.

Es gab keinen NPT, kein Übereinkommen

zu chemischen oder biologischen Waffen,

nichts von alledem.

Und er schrieb:

Nummer eins ist die

Frage nach der Verifikation.

Welche Mechanismen

können wir einrichten, um

sicherzustellen, dass nicht

geschummelt wird?

Denn in einer Welt ohne Atomwaffen hat der,

der sich zuerst solche Waffen beschafft,

einen riesigen Vorteil.

Wir müssen sicherstellen,

dass dies nicht geschieht.

Und dies ist mit dem zweiten Aspekt,

der zweiten Bedingung verknüpft:

Welches sind die Mechanismen

zur Sicherstellung der Konformität?

Wie stellen wir sicher, dass ein

Schummler so hohe Kosten tragen muss,

dass es sich für ihn ganz einfach

nicht lohnt?

Leider sind unsere diesbezüglichen

Ergebnisse sehr unzulänglich.

Dies bereitet uns allen Sorgen.

Der offensichtliche Fall ist Nordkorea.

Das Land hat sich aus dem NPT zurückgezogen,

hat zwei Tests durchgeführt,

den Vorteil der NPT-Mitgliedschaft gehabt,

ohne dafür Kosten zu tragen,

und nun ist es eines unserer

größten Nichtverbreitungs-

bzw. Verbreitungsprobleme.

An zweiter Stelle wäre der Iran zu nennen.

Trotz zahlreicher Resolutionen

des Sicherheitsrates gibt es

keinen Fortschritt bei der Frage,

wie wir sicherstellen können,

dass das Land keine

Nuklearwaffen erwirbt.

Wir müssen also das

Vertrauen aufbauen,

dass wir die Mechanismen einrichten

können, um Länder daran zu hindern,

sich Atomwaffen zu beschaffen, und

um die Atomwaffen zu entsorgen und

sicherzustellen, dass sie nicht

wieder zurückkommen und

erneut zu einem Sicherheitsproblem

für uns werden können.

Ich denke, dass dies

möglich sein sollte,

aber wahrscheinlich werde

ich dies selbst nicht mehr erleben.

Guy Roberts, vielen Dank!

- Danke, es war mir ein Vergnügen.

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