Jeroen Van der Veer, Vizevorsitzender, NATO Strategic Concept Expert Group

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Ansichten und Interviews: Video 4

Wie lauten die persönlichen Ansichten einiger Personen, die mit der Ausarbeitung des neuen Strategischen Konzepts befasst sind? Wie weit kann es gehen? In diesem Abschnitt stellen wir persönliche Interviews mit einigen der wichtigsten Beteiligten vor.

 Untertitel: An / Aus

Ansichten und Interviews

Wie lauten die persönlichen Ansichten einiger Personen, die mit der Ausarbeitung des neuen Strategischen Konzepts befasst sind? Wie weit kann es gehen? In diesem Abschnitt stellen wir persönliche Interviews mit einigen der wichtigsten Beteiligten vor.

Jeroen Van der Veer, warum benötigen wir ein neues Strategisches Konzept gerade jetzt?

Aus drei Gründen.

Im Kalten Krieg verstand die Öffentlichkeit, wofür die NATO da war.

Der Kalte Krieg ist vorbei, also stellt man sich nun die Frage:

welche neue Rolle spielt die NATO, und können wir die Öffentlichkeit hierfür gewinnen?

Zweitens gibt es neue Bedrohungen.

Terrorismus, Piraterie, vielleicht auch Cyber-Angriffe.

Also müssen wir klären, was die NATO auf diesem Gebiet tun kann.

Und drittens haben wir nun 12 mehr Mitglieder als vor zehn Jahren.

Insgesamt sind wir nun zu 28.

Vor zehn Jahren wurde das Strategische Konzept zuletzt aktualisiert.

Eine Aktualisierung ist also durchaus angebracht.

Welchen Vorteil hat es, auf eine Expertengruppe zurückzugreifen?

Zur Erstellung einer neuen Strategie,

bei der alle Länder sagen: Das ist gut,

aber nicht nur die Länder, in denen die breite Öffentlichkeit sagen kann:

Ja, das ist sinnvoll, das ist aktualisiert,

so sehe ich die Welt, ich kann die Rolle der NATO sehen.

Das ist eine sehr komplexe Aufgabe. Ich denke, dass es gut ist, sie schrittweise anzugehen.

Wenn man sofort etwas so Komplexes erstellt,

ohne alle Inputs aufgenommen und genau zugehört zu haben,

ohne den Raum geschaffen zu haben, etwas Neues zu schreiben,

so wird dieser Versuch fehlschlagen, denke ich.

Manche Analysten sagen, dass das Konzept mit Hilfe einer Expertengruppe erneuert wird,

weil es mittlerweile mit 28 Mitgliedern zu viele Stimmen gibt

und weil es zu viele Spaltungen gibt. Haben sie Recht?

Wenn Sie von zu vielen Stimmen reden, möchte ich sagen: Es ist eine höchst komplexe Aufgabe,

festzulegen, was die neue Strategie der NATO sein soll.

Wenn also etwas höchst komplex ist,

muss man eine gewisse Ordnung hineinbringen,

eine gewisse Logik, eine Struktur.

Und dies erfolgt in Diskussionen mit den anderen Ländern,

die hierdurch ebenfalls die Komplexität der Aufgaben sehen.

Daher kann die Expertengruppe eine Rolle spielen.

Denken Sie, dass die wichtigste Spaltung zwischen jenen besteht,

die die Gebietsverteidigung als Hauptaufgabe sehen -

mit anderen Worten: die alte Bedrohungen wie Russland weiterhin als Priorität sehen -

und jenen, die glauben, dass Auslandseinsätze

wie der in Afghanistan wichtiger sind?

Man kann nicht sagen, dass alte Aufgaben wichtiger sind als neue Aufgaben.

Ich denke, dass alte Aufgaben wie die Gebietsverteidigung...

der Öffentlichkeit sehr leicht zu vermitteln sind.

Wenn man aber über jede Bedrohung, besonders neue Bedrohungen, nachdenkt,

so gibt es keine Schwarz-Weiß-Antwort.

Dies ist für die NATO geeignet, jenes nicht.

Manchmal sollte die NATO die Führung übernehmen,

vielleicht als einzige Institution, die sich der Bedrohung widmet.

Manchmal ist die NATO kaum beteiligt, leistet jedoch einen Beitrag.

Es gibt wahrscheinlich noch ein recht großes "Mittelfeld",

wo es eine neue Bedrohung gibt

und eine Reihe von Organisationen in aller Welt oder Einrichtungen,

die sich verbünden müssen, um sich dieser Bedrohung zu stellen.

Es ist also nicht einfach Ja-Nein, sondern ein Mittelweg,

den man zusammen mit anderen beschreitet.

Ist die Energiesicherheit Teil der Aufgaben der NATO?

Ja. Die meisten NATO-Staaten importieren Erdöl und Gas.

In der Regel aus Ländern, die nahe an den NATO-Grenzen liegen.

Dies ist auch eine Art Gelegenheit.

Der eine möchte liefern, der andere möchte kaufen.

Das Problem im Energiebereich ist, dass man nicht sagen kann:

ich kaufe drei Monate lang Energie und danach eine Weile nicht.

Für die Wirtschaft muss es diesen beständigen, garantierten Fluss geben,

der natürlich das sicherheitspolitische Denken unterfüttert.

Statt darüber zu spekulieren, müssen wir

in diesen sich wandelnden Angebots- und Nachfragestrukturen,

insbesondere bei Öl und Gas zwischen NATO- und Nicht-NATO-Mitgliedern,

mit der Expertengruppe darüber nachdenken,

welche Sicherheitsaspekte sich daraus ergeben?

Und wenn wir diese Aspekte aufgelistet haben, müssen wir uns entscheiden:

Ist dies eine NATO-Aufgabe? Oder eine Aufgabe in Zusammenarbeit mit anderen?

Oder überlassen wir dies Dritten?

Wie findet man einen Ausgleich zwischen kurzfristigen Bedrohungen wie Afghanistan

und längerfristigen Bedrohungen wie dem Klimawandel?

Klimawandel... die Gefahr ist, dass alles Klimawandel ist.

Die Expertengruppe sollte vielmehr darüber nachdenken,

welche Sicherheitsaspekte sich aus dem Klimawandel ergeben und

welche Sicherheitsaspekte wir mit der Art von

Aufgaben verknüpfen können, die wir für die NATO vorsehen. Statt allgemein

über den Klimawandel zu reden, wäre dies wirklich hilfreich.

Wir müssen also sehen, mit welchem Aspekt des Klimawandels wir uns befassen

und was wir diesbezüglich tun können. - In Bezug auf die Operationen:

Wie erhält die Expertengruppe Inputs vom Militär für ihre Beratungen?

Ich denke, dass der militärische Input äußerst wichtig ist.

Man stelle sich beispielsweise vor... Da gibt es zunächst die Expertengruppe,

die Ratschläge für eine neue Strategie gibt,

bis hin zum Generalsekretär und zu den Ländern.

Sie erstellen eine neue Strategie. Nun könnte das Militär beispielsweise sagen:

Das ist eine gute Strategie, aber wir können sie nicht umsetzen. Das ist zwecklos.

Der Prozess sollte offen, transparent und öffentlich sein.

Wie schafft die Expertengruppe dies?

Das hehre Ideal lautet: globale Lösungen für globale Bedrohungen.

Die NATO muss da eine Rolle spielen. Doch die NATO kann nicht

alle globalen Bedrohungen beseitigen.

Wir müssen uns immer mit anderen zusammenschließen.

Die Aufgaben der NATO können besser erledigt werden,

wenn die Öffentlichkeit in den NATO-Staaten die Frage unterstützt,

wie die NATO besser mit diesen globalen Bedrohungen umgehen kann.

Es ist ebenfalls wichtig, dass man in Nicht-NATO-Staaten

oder bei NGOs oder bei der UNO denkt:

Diese neue Strategie der NATO ist sinnvoll.

Denn dieses gemeinsame Verständnis innerhalb und außerhalb

der NATO und das, was die NATO tut, bringt uns einen großen Schritt

weiter auf dem Weg zu diesem hehren Ideal der

globalen Lösungen für globale Bedrohungen.

Sie sprechen von einer globalen Situation. Zurzeit haben wir eine weltweite Finanzkrise.

Die Verteidigungsbudgets werden gekürzt, in manchen osteuropäischen Staaten um 20, 30 Prozent.

Ist der Zeitpunkt für ein neues Strategisches Konzept besonders ungünstig?

Wenn es um globale Lösungen für globale Bedrohungen geht,

wenn man einen sehr vertraulichen Bericht verfasst,

kann man nicht erwarten, dass die Menschen applaudieren.

Man muss also bestimmte Dinge in die Öffentlichkeit tragen,

um die Unterstützung der Öffentlichkeit zu gewinnen.

Man muss sich glasklar für Aktionen einsetzen.

Ich komme aus der Geschäftswelt. Wenn ich dort sage:

"Dies ist die Aufgabe", so herrscht große Klarheit.

Wenn die Menschen dies begreifen, verstehen sie, dass Ressourcen benötigt werden.

Und Budgets. So sehe ich die Dinge. - Und Sie erwähnten, dass sichergestellt werden muss,

dass die Botschaften der Öffentlichkeit vermittelt werden.

Manche NATO-Mitglieder tun sich schwer damit, zu kommunizieren,

worum es bei der NATO eigentlich geht.

Warum glauben Sie, dass mit dem Konzept besser gelingen wird?

Das glauben wir nicht. Wir werden dies natürlich mit der Expertengruppe erörtern.

Ich denke, dass es am besten ist, sehr sorgfältig -

aber ohne falsche Bescheidenheit -

zu erklären, dass die neue Strategie der NATO, wie auch immer sie aussehen wird,

in Zeiten der Wirtschaftskrise

Geld kosten wird, viele Leute betreffen wird

und natürlich Menschen Gefahren aussetzen wird.

Es ist daher für jedes NATO-Mitglied wichtig, die Unterstützung der Öffentlichkeit zu erhalten.

Persönlich glaube ich, dass die Leute recht einfach hiervon überzeugt werden können.

Sie mussten bei Ölprojekten viel mit Russland zusammenarbeiten,

sowohl mit der Regierung als auch mit Unternehmen.

Sehen Sie Russland als wichtigen Partner oder als potenzielle Bedrohung?

Die NATO ist aus dem Kalten Krieg entstanden.

Für die Zukunft ist es nun wichtig, dass die NATO-Mitgliedstaaten

einschließlich der Expertengruppe versuchen zu begreifen,

warum die Ansichten der Russen heute so sind, wie sie sind.

Warum sind sie, wie sie sind?

Und dann darüber nachzudenken und

festzustellen, wo Gemeinsamkeiten bestehen.

Ich würde es also nicht als Konfrontation bezeichnen.

Wie schon der Generalsekretär sagte: Wir müssen eine neue Beziehung aufbauen.

Und eine neue Beziehung ist immer... Eine neue Beziehung kann nur entstehen,

wenn wir uns darüber im Klaren sind, wer wir heute sind, was wir als NATO wollen.

Und auf der anderen Seite:

Warum denkt die andere Seite der Beziehung so, wie sie denkt?

Wie könnte sich dies entwickeln? Ich bin da optimistisch.

In Ihrer beruflichen Laufbahn haben Sie die größte Raffinerie in Europa renoviert.

Ist dies schwieriger oder einfacher, als die größte

militärische Organisation der Welt zu renovieren?

Ich denke, dass die Kunst der Erstellung einer neuen Strategie darin besteht,

in diesem Fall, viel in den ersten Phasen zu arbeiten

und dann sicherzustellen, dass alle Parteien auf derselben Wellenlänge sind.

Bei der Renovierung der größten Raffinerie von Europa

ging es mehr darum, die Strategie umzusetzen.

Also das, was das Militär - um auf die NATO zurückzukommen -

was also das Militär später tun muss. Es geht um effiziente Organisation.

Es geht um die Verlegung vieler Truppen usw.

Das war das Problem da drüben.

Letzten Endes ist es auch bei sehr komplexen Problemen gut,

für ein hohes Maß an Klarheit zu sorgen,

so dass man die Probleme in fünf Minuten erklären kann,

statt in 40-seitigen Erläuterungen.

Und ich hoffe wirklich, dass es in den Empfehlungen der Experten

und in der neuen Strategie der NATO

mehr 2- oder 3-seitige Dokumente als 30-seitige Dokumente geben wird.

Wenn Sie eine einzige Sache in diesem Konzept ändern könnten, was wäre das?

Bei dieser Frage nach "einer einzigen Sache"

denke ich immer, dass die Komplexität dieser Welt unterschlagen wird.

Wir sehen uns vielen Bedrohungen gegenüber.

Wenn es eine Priorität gibt, so die, dass man sich alle Bedrohungen anschauen muss

und dann eine Auswahl treffen muss. So gehe ich Ihrer Frage aus dem Weg.

Ich denke jedoch, dass dies wichtig ist:

Eine zu weit gehende Vereinfachung ist nämlich genau das, was wir nicht brauchen.

Herr Van der Veer, vielen Dank für dieses Gespräch. - Danke.

Jeroen Van der Veer, warum benötigen wir ein neues Strategisches Konzept gerade jetzt?

Aus drei Gründen.

Im Kalten Krieg verstand die Öffentlichkeit, wofür die NATO da war.

Der Kalte Krieg ist vorbei, also stellt man sich nun die Frage:

welche neue Rolle spielt die NATO, und können wir die Öffentlichkeit hierfür gewinnen?

Zweitens gibt es neue Bedrohungen.

Terrorismus, Piraterie, vielleicht auch Cyber-Angriffe.

Also müssen wir klären, was die NATO auf diesem Gebiet tun kann.

Und drittens haben wir nun 12 mehr Mitglieder als vor zehn Jahren.

Insgesamt sind wir nun zu 28.

Vor zehn Jahren wurde das Strategische Konzept zuletzt aktualisiert.

Eine Aktualisierung ist also durchaus angebracht.

Welchen Vorteil hat es, auf eine Expertengruppe zurückzugreifen?

Zur Erstellung einer neuen Strategie,

bei der alle Länder sagen: Das ist gut,

aber nicht nur die Länder, in denen die breite Öffentlichkeit sagen kann:

Ja, das ist sinnvoll, das ist aktualisiert,

so sehe ich die Welt, ich kann die Rolle der NATO sehen.

Das ist eine sehr komplexe Aufgabe. Ich denke, dass es gut ist, sie schrittweise anzugehen.

Wenn man sofort etwas so Komplexes erstellt,

ohne alle Inputs aufgenommen und genau zugehört zu haben,

ohne den Raum geschaffen zu haben, etwas Neues zu schreiben,

so wird dieser Versuch fehlschlagen, denke ich.

Manche Analysten sagen, dass das Konzept mit Hilfe einer Expertengruppe erneuert wird,

weil es mittlerweile mit 28 Mitgliedern zu viele Stimmen gibt

und weil es zu viele Spaltungen gibt. Haben sie Recht?

Wenn Sie von zu vielen Stimmen reden, möchte ich sagen: Es ist eine höchst komplexe Aufgabe,

festzulegen, was die neue Strategie der NATO sein soll.

Wenn also etwas höchst komplex ist,

muss man eine gewisse Ordnung hineinbringen,

eine gewisse Logik, eine Struktur.

Und dies erfolgt in Diskussionen mit den anderen Ländern,

die hierdurch ebenfalls die Komplexität der Aufgaben sehen.

Daher kann die Expertengruppe eine Rolle spielen.

Denken Sie, dass die wichtigste Spaltung zwischen jenen besteht,

die die Gebietsverteidigung als Hauptaufgabe sehen -

mit anderen Worten: die alte Bedrohungen wie Russland weiterhin als Priorität sehen -

und jenen, die glauben, dass Auslandseinsätze

wie der in Afghanistan wichtiger sind?

Man kann nicht sagen, dass alte Aufgaben wichtiger sind als neue Aufgaben.

Ich denke, dass alte Aufgaben wie die Gebietsverteidigung...

der Öffentlichkeit sehr leicht zu vermitteln sind.

Wenn man aber über jede Bedrohung, besonders neue Bedrohungen, nachdenkt,

so gibt es keine Schwarz-Weiß-Antwort.

Dies ist für die NATO geeignet, jenes nicht.

Manchmal sollte die NATO die Führung übernehmen,

vielleicht als einzige Institution, die sich der Bedrohung widmet.

Manchmal ist die NATO kaum beteiligt, leistet jedoch einen Beitrag.

Es gibt wahrscheinlich noch ein recht großes "Mittelfeld",

wo es eine neue Bedrohung gibt

und eine Reihe von Organisationen in aller Welt oder Einrichtungen,

die sich verbünden müssen, um sich dieser Bedrohung zu stellen.

Es ist also nicht einfach Ja-Nein, sondern ein Mittelweg,

den man zusammen mit anderen beschreitet.

Ist die Energiesicherheit Teil der Aufgaben der NATO?

Ja. Die meisten NATO-Staaten importieren Erdöl und Gas.

In der Regel aus Ländern, die nahe an den NATO-Grenzen liegen.

Dies ist auch eine Art Gelegenheit.

Der eine möchte liefern, der andere möchte kaufen.

Das Problem im Energiebereich ist, dass man nicht sagen kann:

ich kaufe drei Monate lang Energie und danach eine Weile nicht.

Für die Wirtschaft muss es diesen beständigen, garantierten Fluss geben,

der natürlich das sicherheitspolitische Denken unterfüttert.

Statt darüber zu spekulieren, müssen wir

in diesen sich wandelnden Angebots- und Nachfragestrukturen,

insbesondere bei Öl und Gas zwischen NATO- und Nicht-NATO-Mitgliedern,

mit der Expertengruppe darüber nachdenken,

welche Sicherheitsaspekte sich daraus ergeben?

Und wenn wir diese Aspekte aufgelistet haben, müssen wir uns entscheiden:

Ist dies eine NATO-Aufgabe? Oder eine Aufgabe in Zusammenarbeit mit anderen?

Oder überlassen wir dies Dritten?

Wie findet man einen Ausgleich zwischen kurzfristigen Bedrohungen wie Afghanistan

und längerfristigen Bedrohungen wie dem Klimawandel?

Klimawandel... die Gefahr ist, dass alles Klimawandel ist.

Die Expertengruppe sollte vielmehr darüber nachdenken,

welche Sicherheitsaspekte sich aus dem Klimawandel ergeben und

welche Sicherheitsaspekte wir mit der Art von

Aufgaben verknüpfen können, die wir für die NATO vorsehen. Statt allgemein

über den Klimawandel zu reden, wäre dies wirklich hilfreich.

Wir müssen also sehen, mit welchem Aspekt des Klimawandels wir uns befassen

und was wir diesbezüglich tun können. - In Bezug auf die Operationen:

Wie erhält die Expertengruppe Inputs vom Militär für ihre Beratungen?

Ich denke, dass der militärische Input äußerst wichtig ist.

Man stelle sich beispielsweise vor... Da gibt es zunächst die Expertengruppe,

die Ratschläge für eine neue Strategie gibt,

bis hin zum Generalsekretär und zu den Ländern.

Sie erstellen eine neue Strategie. Nun könnte das Militär beispielsweise sagen:

Das ist eine gute Strategie, aber wir können sie nicht umsetzen. Das ist zwecklos.

Der Prozess sollte offen, transparent und öffentlich sein.

Wie schafft die Expertengruppe dies?

Das hehre Ideal lautet: globale Lösungen für globale Bedrohungen.

Die NATO muss da eine Rolle spielen. Doch die NATO kann nicht

alle globalen Bedrohungen beseitigen.

Wir müssen uns immer mit anderen zusammenschließen.

Die Aufgaben der NATO können besser erledigt werden,

wenn die Öffentlichkeit in den NATO-Staaten die Frage unterstützt,

wie die NATO besser mit diesen globalen Bedrohungen umgehen kann.

Es ist ebenfalls wichtig, dass man in Nicht-NATO-Staaten

oder bei NGOs oder bei der UNO denkt:

Diese neue Strategie der NATO ist sinnvoll.

Denn dieses gemeinsame Verständnis innerhalb und außerhalb

der NATO und das, was die NATO tut, bringt uns einen großen Schritt

weiter auf dem Weg zu diesem hehren Ideal der

globalen Lösungen für globale Bedrohungen.

Sie sprechen von einer globalen Situation. Zurzeit haben wir eine weltweite Finanzkrise.

Die Verteidigungsbudgets werden gekürzt, in manchen osteuropäischen Staaten um 20, 30 Prozent.

Ist der Zeitpunkt für ein neues Strategisches Konzept besonders ungünstig?

Wenn es um globale Lösungen für globale Bedrohungen geht,

wenn man einen sehr vertraulichen Bericht verfasst,

kann man nicht erwarten, dass die Menschen applaudieren.

Man muss also bestimmte Dinge in die Öffentlichkeit tragen,

um die Unterstützung der Öffentlichkeit zu gewinnen.

Man muss sich glasklar für Aktionen einsetzen.

Ich komme aus der Geschäftswelt. Wenn ich dort sage:

"Dies ist die Aufgabe", so herrscht große Klarheit.

Wenn die Menschen dies begreifen, verstehen sie, dass Ressourcen benötigt werden.

Und Budgets. So sehe ich die Dinge. - Und Sie erwähnten, dass sichergestellt werden muss,

dass die Botschaften der Öffentlichkeit vermittelt werden.

Manche NATO-Mitglieder tun sich schwer damit, zu kommunizieren,

worum es bei der NATO eigentlich geht.

Warum glauben Sie, dass mit dem Konzept besser gelingen wird?

Das glauben wir nicht. Wir werden dies natürlich mit der Expertengruppe erörtern.

Ich denke, dass es am besten ist, sehr sorgfältig -

aber ohne falsche Bescheidenheit -

zu erklären, dass die neue Strategie der NATO, wie auch immer sie aussehen wird,

in Zeiten der Wirtschaftskrise

Geld kosten wird, viele Leute betreffen wird

und natürlich Menschen Gefahren aussetzen wird.

Es ist daher für jedes NATO-Mitglied wichtig, die Unterstützung der Öffentlichkeit zu erhalten.

Persönlich glaube ich, dass die Leute recht einfach hiervon überzeugt werden können.

Sie mussten bei Ölprojekten viel mit Russland zusammenarbeiten,

sowohl mit der Regierung als auch mit Unternehmen.

Sehen Sie Russland als wichtigen Partner oder als potenzielle Bedrohung?

Die NATO ist aus dem Kalten Krieg entstanden.

Für die Zukunft ist es nun wichtig, dass die NATO-Mitgliedstaaten

einschließlich der Expertengruppe versuchen zu begreifen,

warum die Ansichten der Russen heute so sind, wie sie sind.

Warum sind sie, wie sie sind?

Und dann darüber nachzudenken und

festzustellen, wo Gemeinsamkeiten bestehen.

Ich würde es also nicht als Konfrontation bezeichnen.

Wie schon der Generalsekretär sagte: Wir müssen eine neue Beziehung aufbauen.

Und eine neue Beziehung ist immer... Eine neue Beziehung kann nur entstehen,

wenn wir uns darüber im Klaren sind, wer wir heute sind, was wir als NATO wollen.

Und auf der anderen Seite:

Warum denkt die andere Seite der Beziehung so, wie sie denkt?

Wie könnte sich dies entwickeln? Ich bin da optimistisch.

In Ihrer beruflichen Laufbahn haben Sie die größte Raffinerie in Europa renoviert.

Ist dies schwieriger oder einfacher, als die größte

militärische Organisation der Welt zu renovieren?

Ich denke, dass die Kunst der Erstellung einer neuen Strategie darin besteht,

in diesem Fall, viel in den ersten Phasen zu arbeiten

und dann sicherzustellen, dass alle Parteien auf derselben Wellenlänge sind.

Bei der Renovierung der größten Raffinerie von Europa

ging es mehr darum, die Strategie umzusetzen.

Also das, was das Militär - um auf die NATO zurückzukommen -

was also das Militär später tun muss. Es geht um effiziente Organisation.

Es geht um die Verlegung vieler Truppen usw.

Das war das Problem da drüben.

Letzten Endes ist es auch bei sehr komplexen Problemen gut,

für ein hohes Maß an Klarheit zu sorgen,

so dass man die Probleme in fünf Minuten erklären kann,

statt in 40-seitigen Erläuterungen.

Und ich hoffe wirklich, dass es in den Empfehlungen der Experten

und in der neuen Strategie der NATO

mehr 2- oder 3-seitige Dokumente als 30-seitige Dokumente geben wird.

Wenn Sie eine einzige Sache in diesem Konzept ändern könnten, was wäre das?

Bei dieser Frage nach "einer einzigen Sache"

denke ich immer, dass die Komplexität dieser Welt unterschlagen wird.

Wir sehen uns vielen Bedrohungen gegenüber.

Wenn es eine Priorität gibt, so die, dass man sich alle Bedrohungen anschauen muss

und dann eine Auswahl treffen muss. So gehe ich Ihrer Frage aus dem Weg.

Ich denke jedoch, dass dies wichtig ist:

Eine zu weit gehende Vereinfachung ist nämlich genau das, was wir nicht brauchen.

Herr Van der Veer, vielen Dank für dieses Gespräch. - Danke.

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