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Reform der bosnischen Polizei: Auftrag erledigt oder eine unmögliche Aufgabe?

NATO Brief untersucht, warum die Reform der bosnischen Polizei ins Stolpern geraten ist und wie weit sie wirklich gehen kann.

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Eine Reform der Polizei mag nicht so dringend klingen wie eine Neuordnung der Streitkräfte, aber in Bosnien wurde sie als ebenso wichtig angesehen, wenn nicht gar als noch wichtiger. Hier äußern sich wichtige Akteure zu der Frage, warum es ein so dorniges Thema ist und warum die so dringend benötigte Reform nie erreicht wurde.

Länge des Videos: 12.32

 Untertitel: An / Aus

© NATO Brief

Es war abzusehen, dass eine Neuordnung der getrennten Polizeikräfte

von Bosnien und Herzegowina eine schwierige Aufgabe sein würde.

Es gab unterschiedliche Polizeikräfte in den verschiedenen Entitäten des Landes -

mit verschiedener Religionszugehörigkeit und unterschiedlicher Vergangenheit.

Am schlimmsten jedoch war, dass die Polizei eine wichtige Rolle im Bürgerkrieg gespielt hatte.

Am Ende des Kriegs stand fast die gesamte männliche Bevölkerung unter Waffen,

darunter viele Männer in Polizeistrukturen.

Und die Polizei war im Wesentlichen ein Teil der Streitkräfte.

Die Polizei steht in Bosnien und Herzegowina für viel mehr als in anderen westlichen Ländern.

Sie steht für Eigenstaatlichkeit. Sie steht für eine Streitkraft.

Und sie steht für die hartnäckigsten Probleme des Landes.

Die Reform der Polizeikräfte in Bosnien und Herzegowina war eine unabdingbare Bedingung

für ein mehrere Millionen Euro umfassendes Abkommen, das das Land näher an die EU heranführt,

das so genannte EU Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen.

Wir arbeiten seit einiger Zeit mit den bosnischen Führern zusammen.

Es war ein schwieriger Moment, der aber zum Glück überwunden werden konnte.

Und mittlerweile wurde das Gesetz vom Parlament gebilligt und verabschiedet.

Ich denke, dass dies einer Vertiefung der Beziehungen zwischen

Bosnien und Herzegowina und der Europäischen Union den Weg ebnet.

Auf den ersten Blick scheint die Polizei in Bosnien und Herzegowina gute Arbeit zu leisten.

Ich fühle mich in Bosnien viel sicherer als in vielen weiter entwickelten Staaten im Westen.

S. Latal ist ein bosnischer Journalist, der aus vielen Ländern über Kriege berichtet hat.

Er war auch als Kommunikationsexperte für die Weltbank und für internationale Think-Tanks tätig

Ich war sechs Jahre lang in Washington.

Dort wissen die Menschen, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass man überfallen wird,

wenn man in gewissen Gegenden mit modischen Nike-Schuhen an den Füssen aufkreuzt.

Morgens oder abends kann man sich völlig frei in Sarajevo,

Banja Luka, Foca oder Mostar bewegen, ganz gleich wo.

Brigadier-General Vincenzo Coppola ist Leiter der Polizeimission der EU

in Bosnien und Herzegowina.

In Europa, in der eigentlichen Europäischen Union, kenne ich Hunderte Orte,

an denen es viel gefährlicher ist als in Sarajevo.

Und der auf Reformebene erzielte Fortschritt beschränkt sich nicht auf die Sicherheit.

Wir hatten damals einen Geheimdienst, der zwischen Serben, Kroaten und Moslems aufgeteilt war,

wobei jeder offensichtlich den anderen ausspionierte.

Und jetzt haben wir einen Geheimdienst, der tatsächlich zusammenarbeitet.

Doch ungeachtet dieses Fortschritts wird die Polizeireform meist nicht als Erfolg gewertet.

In Bosnien und Herzegowina wurde diese Frage im Wesentlichen auf Eis gelegt.

So lange, bis wir irgendeine breitere, vielleicht verfassungsmäßige Vereinbarung finden,

da so viele der Themen in Verbindung mit der Polizeireform ebenfalls Themen waren,

die mit Verfassungsfragen zu tun hatten.

Ich denke, dies sind langfristige Fragen,

die wiederum mit der Struktur dieses Landes zu tun haben.

Die Polizeireform wurde von der internationalen Gemeinschaft wirklich schlecht gehandhabt.

Und sie war eines der Schlüsselelemente, die die Unterzeichnung des

Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens mit der EU erst möglich machten.

Allerdings ist die Polizeireform im Grunde seit 2003-2004 stagniert. Und...

die wenigen Gesetze, die von den lokalen Parlamenten verabschiedet wurden

und die eine Bedingung für die Unterzeichnung des SAA waren, sind nahezu bedeutungslos.

Sead Numanovic ist stellv. Herausgeber von Dnevni Avaz, einer großen bosnischen Zeitung.

Was wir nun haben, sind die Überreste der Überreste der Überreste der ursprünglichen Reform.

Die Reformen wurden immer mehr zu Symbolen, die eigentliche Bedeutung ging verloren.

Paddy Ashdown hat diese Reform gestartet, das Wesentliche der Reform, ihre Bedeutung erklärt.

Es geht nicht um die Polizei, sondern um Souveränität. Wer eine Polizei hat, hat einen Staat.

Ich denke, dass die Polizeireform bereits im Konzept fehlerhaft war. Manche Leuten glaubten,

dass die Polizei ein Stellvertreter für einen verfassungsmäßigen Wandel war.

Die Republika Srpska z.B. war einverstanden, die Polizeizuständigkeit

von der Entität zum Staat zu übertragen.

Manche Leute glaubten wohl, dass dies die Existenz der Entität als solche untergraben würde.

Es gibt also viel Widerstand in diesem Bereich - nicht zu den technischen Aspekten.

Die Polizeireform hat gezeigt, was bereits früher bei der Verteidigungsreform zu sehen war.

Es ist in der Tat eine politische Frage, keine technische Frage.

Selbst die radikalsten Politiker in diesem Land konnten nicht verteidigen,

dass drei Armeen bestehen sollten - drei auf Ethnien beruhende Armeen. Das war nicht tragbar.

Aber sie hatten - zumindest auf dem Papier - gute Gründe dafür,

dass jede Einrichtung, Entitäten, Kantone, Brcko eigene Polizei haben könnte(n),

da dies in vielen Ländern der Fall ist.

Es gab ebenfalls Fragen sowohl zu den getroffenen Entscheidungen als auch zum Timing.

Die Gründe für das Scheitern der Reform reichen bis in die Jahre 2002, 2003 und 2004 zurück.

Paddy Ashdown wählte eine der drei Möglichkeiten, die von der EU selbst vorgeschlagen wurden,

und er wählte die schwierigste und sagte:

"Nun, dies wird die Bedingung für die EU sein."

Und seitdem wurde und wird diese Option von den bosnischen Serben abgelehnt.

Die Polizeireform hat lange gedauert, weil wir den falschen Zeitpunkt gewählt haben.

Die Polizeireform war als Projekt sehr ehrgeizig.

Ich sage nicht, dass sie unnötig war, aber sie war extrem ehrgeizig.

Sie wurde zu einem Zeitpunkt eingeläutet, als es keine zureichende politische Einigkeit

zwischen den politischen Führern gab, keine wirkliche, ernsthafte, solide politische Einigung.

In der Tat haben wir eigentlich drei Jahre verloren.

Laut Sean Numanovic war eine volle Polizeireform in greifbarer Nähe,

rückte jedoch einige Male in weite Ferne.

Es wurden zwei große Fehler in diesem Prozess begangen.

Der eine wurde von Paddy Ashdown im Juni 2005 begangen, als er den Deal fast abgeschlossen

hatte und die Serben dann ein wenig Urlaub machen ließ. Als sie zurückkamen, sagten sie:

"Nein, wir werden nicht unterschreiben". Er hat es zugegeben. Als ich ihn vor kurzem traf,

sagte er, dass es der größte Fehler seiner Arbeit in Bosnien war, die Serben gehen zu lassen,

da sie damals bereit waren, das Papier zu unterzeichnen.Der zweitgrößte Fehler wurde von den

bosnischen Politikern am 13. März 2006 begangen.

Und die widersetzten sich aus einem wirklich dummen Grund.

Sie sagten: "Wir können nichts akzeptieren, was mit dem Namen Republika Srpska versehen ist."

Was hätte - im Rückblick - anders gemacht werden können?

Eine stärkere Einbindung des Staates, der Agenturen auf Staatsebene,

des Sicherheitsministeriums, der SIPA, der Grenzpolizei in die Sicherheitsoperationen.

Die Entitäten und Kantone hätten weitere Befugnisse an den Staat abtreten müssen,

so dass zumindest der Kampf gegen das organisierte Verbrechen

und gegen terroristische Aktivitäten Aufgabe des Staates wäre - was er nicht ist.

Außerdem hätte eine Reihe von Projekten schneller ablaufen müssen,

zum Beispiel die Polizei-Datenbank, das Polizei-Kommunikationssystem, das Abfangsystem.

In Bezug auf das Verbrechen zeigte der Bericht der Vereinten Nationen im Juni,

dass die Straßen in Bosnien sicherer sind als in den meisten westlichen Staaten.

Welches sind also die größten Sicherheitsbedenken der Menschen hier in Bosnien und Herzegowina?

Das größte Problem, das ich in Bosnien sehe, ist nicht der Nationalismus,

nicht die Separatismusbewegungen, sondern die Korruption und der Mangel an Rechtsstaatlichkeit.

Das "normale" Kriminalitätsniveau ist durchaus akzeptabel.

Das organisierte Verbrechen scheint sich im Aufwind zu befinden, doch ich muss dazu sagen,

dass die Polizei gute Ergebnisse bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens erzielt hat.

Wir müssen die Fähigkeit der Polizei und der Anklagebehörde verbessern, als System,

zusammenzuarbeiten, um Ergebnisse zu erzielen. Ansonsten kann das organisierte Verbrechen

außer Kontrolle geraten. Dies ist zurzeit unser Hauptproblem.

Aber nicht jeder ist der Ansicht, dass dies

im Alltag in Bosnien und Herzegowina ein Problem ist.

Ich sage nicht, dass es keine Korruption gibt, dass es kein organisiertes Verbrechen gibt.

Mein allgemeiner Eindruck nach all den Jahren in Bosnien, in der Region,

und nachdem ich gesehen habe, was im Rest der Welt vor sich geht,

würde ich jedoch sagen, dass wir hier über einen Sturm im Wasserglas reden.

Haben einige dieser Probleme mit der großen Polizeipräsenz in Bosnien und Herzegowina zu tun?

Mit so vielen Polizeikräften, die nur einen durchschnittlichen Lohn erhalten?

Polizeibeamte werden nicht sonderlich gut bezahlt.

Dies kann manchmal zu Fällen von Bestechung führen,

was nicht für alle zutrifft, aber ja, es gibt Korruption.

Wir haben eine hohe Anzahl Polizeikräfte, genau wie wir sehr große Streitkräfte hatten.

In diesem Land gibt es wesentlich mehr Polizei als in westeuropäischen Ländern.

Auch nach den neuen Reformen denkt Brigadier-General Coppola,

dass es noch Raum für Verbesserungen für die Polizeikräfte in Bosnien und Herzegowina gibt.

Das erste Problem, das es zu lösen gilt, ist eine gute Koordination der Polizei.

Das zweite Problem ist, dass sie eine ganze Reihe unterschiedlicher Gesetze beachten müssen.

Doch sie erledigen dieselbe Arbeit.

Der andere Hauptaspekt unserer Strategie besteht also darin, die Gesetzgebung zu harmonisieren,

so dass die verschiedenen Polizeikräfte entsprechend denselben Rechtsvorschriften handeln.

Bevor sie begann, war eine Polizeireform eine Möglichkeit, das Land zusammenzubringen

oder zumindest die ethnischen Trennlinien zu verwischen.

Es gibt umfangreiche gesetzliche Vorschriften,

denen zufolge die Behörden gezwungen wären, ethnische Quoten bei der Polizei zu beachten.

Dies war jedoch laut Brigadier-General Coppola niemals Teil des Plans.

Der Zweck der Polizeireform bestand nicht... besteht nicht darin, das Land zu einen.

Die Polizeireform dient dazu, eine bessere Sicherheit aufzubauen,

was bedeutet, dass die Menschen sich hier überall sicher fühlen.

Sogar die Leute, die von einer Gegend in eine andere ziehen, werden sich sicherer fühlen.

Dies wird sicherlich das Vertrauen in den Staat Bosnien und Herzegowina steigern.

In den Jahren 95 und 96 reisten die Menschen überhaupt nicht durch Bosnien und Herzegowina.

Es gab an allen Straßen, überall, Checkpoints usw.

Es hat also schon einen dramatischen Wandel gegeben. Zurzeit stagnieren wir jedoch.

Es liegt auf der Hand, dass das Vertrauen und der Glaube an die Polizei eine Schlüsselrolle

für das Vertrauen der Bosnier in die Zukunft ihres Landes spielen wird.

Wenn man nicht reich ist oder niemanden kennt, der einen beschützt, ist man verloren.

Die meisten Leute befinden sich nicht in dieser Position. Wenn die meisten Leute verloren sind

und wenn sie dann kein Vertrauen in die Einrichtungen des Systems haben,

so beginnen diese Menschen, das System zu hassen.

Leute, die das Land hassen, kämpfen gegen das Land; dieses Land ist dem Untergang geweiht.

Wenn aber ein echtes, wahres Justizsystem eingerichtet ist,

ist alles viel einfacher.

Es war abzusehen, dass eine Neuordnung der getrennten Polizeikräfte

von Bosnien und Herzegowina eine schwierige Aufgabe sein würde.

Es gab unterschiedliche Polizeikräfte in den verschiedenen Entitäten des Landes -

mit verschiedener Religionszugehörigkeit und unterschiedlicher Vergangenheit.

Am schlimmsten jedoch war, dass die Polizei eine wichtige Rolle im Bürgerkrieg gespielt hatte.

Am Ende des Kriegs stand fast die gesamte männliche Bevölkerung unter Waffen,

darunter viele Männer in Polizeistrukturen.

Und die Polizei war im Wesentlichen ein Teil der Streitkräfte.

Die Polizei steht in Bosnien und Herzegowina für viel mehr als in anderen westlichen Ländern.

Sie steht für Eigenstaatlichkeit. Sie steht für eine Streitkraft.

Und sie steht für die hartnäckigsten Probleme des Landes.

Die Reform der Polizeikräfte in Bosnien und Herzegowina war eine unabdingbare Bedingung

für ein mehrere Millionen Euro umfassendes Abkommen, das das Land näher an die EU heranführt,

das so genannte EU Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen.

Wir arbeiten seit einiger Zeit mit den bosnischen Führern zusammen.

Es war ein schwieriger Moment, der aber zum Glück überwunden werden konnte.

Und mittlerweile wurde das Gesetz vom Parlament gebilligt und verabschiedet.

Ich denke, dass dies einer Vertiefung der Beziehungen zwischen

Bosnien und Herzegowina und der Europäischen Union den Weg ebnet.

Auf den ersten Blick scheint die Polizei in Bosnien und Herzegowina gute Arbeit zu leisten.

Ich fühle mich in Bosnien viel sicherer als in vielen weiter entwickelten Staaten im Westen.

S. Latal ist ein bosnischer Journalist, der aus vielen Ländern über Kriege berichtet hat.

Er war auch als Kommunikationsexperte für die Weltbank und für internationale Think-Tanks tätig

Ich war sechs Jahre lang in Washington.

Dort wissen die Menschen, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass man überfallen wird,

wenn man in gewissen Gegenden mit modischen Nike-Schuhen an den Füssen aufkreuzt.

Morgens oder abends kann man sich völlig frei in Sarajevo,

Banja Luka, Foca oder Mostar bewegen, ganz gleich wo.

Brigadier-General Vincenzo Coppola ist Leiter der Polizeimission der EU

in Bosnien und Herzegowina.

In Europa, in der eigentlichen Europäischen Union, kenne ich Hunderte Orte,

an denen es viel gefährlicher ist als in Sarajevo.

Und der auf Reformebene erzielte Fortschritt beschränkt sich nicht auf die Sicherheit.

Wir hatten damals einen Geheimdienst, der zwischen Serben, Kroaten und Moslems aufgeteilt war,

wobei jeder offensichtlich den anderen ausspionierte.

Und jetzt haben wir einen Geheimdienst, der tatsächlich zusammenarbeitet.

Doch ungeachtet dieses Fortschritts wird die Polizeireform meist nicht als Erfolg gewertet.

In Bosnien und Herzegowina wurde diese Frage im Wesentlichen auf Eis gelegt.

So lange, bis wir irgendeine breitere, vielleicht verfassungsmäßige Vereinbarung finden,

da so viele der Themen in Verbindung mit der Polizeireform ebenfalls Themen waren,

die mit Verfassungsfragen zu tun hatten.

Ich denke, dies sind langfristige Fragen,

die wiederum mit der Struktur dieses Landes zu tun haben.

Die Polizeireform wurde von der internationalen Gemeinschaft wirklich schlecht gehandhabt.

Und sie war eines der Schlüsselelemente, die die Unterzeichnung des

Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens mit der EU erst möglich machten.

Allerdings ist die Polizeireform im Grunde seit 2003-2004 stagniert. Und...

die wenigen Gesetze, die von den lokalen Parlamenten verabschiedet wurden

und die eine Bedingung für die Unterzeichnung des SAA waren, sind nahezu bedeutungslos.

Sead Numanovic ist stellv. Herausgeber von Dnevni Avaz, einer großen bosnischen Zeitung.

Was wir nun haben, sind die Überreste der Überreste der Überreste der ursprünglichen Reform.

Die Reformen wurden immer mehr zu Symbolen, die eigentliche Bedeutung ging verloren.

Paddy Ashdown hat diese Reform gestartet, das Wesentliche der Reform, ihre Bedeutung erklärt.

Es geht nicht um die Polizei, sondern um Souveränität. Wer eine Polizei hat, hat einen Staat.

Ich denke, dass die Polizeireform bereits im Konzept fehlerhaft war. Manche Leuten glaubten,

dass die Polizei ein Stellvertreter für einen verfassungsmäßigen Wandel war.

Die Republika Srpska z.B. war einverstanden, die Polizeizuständigkeit

von der Entität zum Staat zu übertragen.

Manche Leute glaubten wohl, dass dies die Existenz der Entität als solche untergraben würde.

Es gibt also viel Widerstand in diesem Bereich - nicht zu den technischen Aspekten.

Die Polizeireform hat gezeigt, was bereits früher bei der Verteidigungsreform zu sehen war.

Es ist in der Tat eine politische Frage, keine technische Frage.

Selbst die radikalsten Politiker in diesem Land konnten nicht verteidigen,

dass drei Armeen bestehen sollten - drei auf Ethnien beruhende Armeen. Das war nicht tragbar.

Aber sie hatten - zumindest auf dem Papier - gute Gründe dafür,

dass jede Einrichtung, Entitäten, Kantone, Brcko eigene Polizei haben könnte(n),

da dies in vielen Ländern der Fall ist.

Es gab ebenfalls Fragen sowohl zu den getroffenen Entscheidungen als auch zum Timing.

Die Gründe für das Scheitern der Reform reichen bis in die Jahre 2002, 2003 und 2004 zurück.

Paddy Ashdown wählte eine der drei Möglichkeiten, die von der EU selbst vorgeschlagen wurden,

und er wählte die schwierigste und sagte:

"Nun, dies wird die Bedingung für die EU sein."

Und seitdem wurde und wird diese Option von den bosnischen Serben abgelehnt.

Die Polizeireform hat lange gedauert, weil wir den falschen Zeitpunkt gewählt haben.

Die Polizeireform war als Projekt sehr ehrgeizig.

Ich sage nicht, dass sie unnötig war, aber sie war extrem ehrgeizig.

Sie wurde zu einem Zeitpunkt eingeläutet, als es keine zureichende politische Einigkeit

zwischen den politischen Führern gab, keine wirkliche, ernsthafte, solide politische Einigung.

In der Tat haben wir eigentlich drei Jahre verloren.

Laut Sean Numanovic war eine volle Polizeireform in greifbarer Nähe,

rückte jedoch einige Male in weite Ferne.

Es wurden zwei große Fehler in diesem Prozess begangen.

Der eine wurde von Paddy Ashdown im Juni 2005 begangen, als er den Deal fast abgeschlossen

hatte und die Serben dann ein wenig Urlaub machen ließ. Als sie zurückkamen, sagten sie:

"Nein, wir werden nicht unterschreiben". Er hat es zugegeben. Als ich ihn vor kurzem traf,

sagte er, dass es der größte Fehler seiner Arbeit in Bosnien war, die Serben gehen zu lassen,

da sie damals bereit waren, das Papier zu unterzeichnen.Der zweitgrößte Fehler wurde von den

bosnischen Politikern am 13. März 2006 begangen.

Und die widersetzten sich aus einem wirklich dummen Grund.

Sie sagten: "Wir können nichts akzeptieren, was mit dem Namen Republika Srpska versehen ist."

Was hätte - im Rückblick - anders gemacht werden können?

Eine stärkere Einbindung des Staates, der Agenturen auf Staatsebene,

des Sicherheitsministeriums, der SIPA, der Grenzpolizei in die Sicherheitsoperationen.

Die Entitäten und Kantone hätten weitere Befugnisse an den Staat abtreten müssen,

so dass zumindest der Kampf gegen das organisierte Verbrechen

und gegen terroristische Aktivitäten Aufgabe des Staates wäre - was er nicht ist.

Außerdem hätte eine Reihe von Projekten schneller ablaufen müssen,

zum Beispiel die Polizei-Datenbank, das Polizei-Kommunikationssystem, das Abfangsystem.

In Bezug auf das Verbrechen zeigte der Bericht der Vereinten Nationen im Juni,

dass die Straßen in Bosnien sicherer sind als in den meisten westlichen Staaten.

Welches sind also die größten Sicherheitsbedenken der Menschen hier in Bosnien und Herzegowina?

Das größte Problem, das ich in Bosnien sehe, ist nicht der Nationalismus,

nicht die Separatismusbewegungen, sondern die Korruption und der Mangel an Rechtsstaatlichkeit.

Das "normale" Kriminalitätsniveau ist durchaus akzeptabel.

Das organisierte Verbrechen scheint sich im Aufwind zu befinden, doch ich muss dazu sagen,

dass die Polizei gute Ergebnisse bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens erzielt hat.

Wir müssen die Fähigkeit der Polizei und der Anklagebehörde verbessern, als System,

zusammenzuarbeiten, um Ergebnisse zu erzielen. Ansonsten kann das organisierte Verbrechen

außer Kontrolle geraten. Dies ist zurzeit unser Hauptproblem.

Aber nicht jeder ist der Ansicht, dass dies

im Alltag in Bosnien und Herzegowina ein Problem ist.

Ich sage nicht, dass es keine Korruption gibt, dass es kein organisiertes Verbrechen gibt.

Mein allgemeiner Eindruck nach all den Jahren in Bosnien, in der Region,

und nachdem ich gesehen habe, was im Rest der Welt vor sich geht,

würde ich jedoch sagen, dass wir hier über einen Sturm im Wasserglas reden.

Haben einige dieser Probleme mit der großen Polizeipräsenz in Bosnien und Herzegowina zu tun?

Mit so vielen Polizeikräften, die nur einen durchschnittlichen Lohn erhalten?

Polizeibeamte werden nicht sonderlich gut bezahlt.

Dies kann manchmal zu Fällen von Bestechung führen,

was nicht für alle zutrifft, aber ja, es gibt Korruption.

Wir haben eine hohe Anzahl Polizeikräfte, genau wie wir sehr große Streitkräfte hatten.

In diesem Land gibt es wesentlich mehr Polizei als in westeuropäischen Ländern.

Auch nach den neuen Reformen denkt Brigadier-General Coppola,

dass es noch Raum für Verbesserungen für die Polizeikräfte in Bosnien und Herzegowina gibt.

Das erste Problem, das es zu lösen gilt, ist eine gute Koordination der Polizei.

Das zweite Problem ist, dass sie eine ganze Reihe unterschiedlicher Gesetze beachten müssen.

Doch sie erledigen dieselbe Arbeit.

Der andere Hauptaspekt unserer Strategie besteht also darin, die Gesetzgebung zu harmonisieren,

so dass die verschiedenen Polizeikräfte entsprechend denselben Rechtsvorschriften handeln.

Bevor sie begann, war eine Polizeireform eine Möglichkeit, das Land zusammenzubringen

oder zumindest die ethnischen Trennlinien zu verwischen.

Es gibt umfangreiche gesetzliche Vorschriften,

denen zufolge die Behörden gezwungen wären, ethnische Quoten bei der Polizei zu beachten.

Dies war jedoch laut Brigadier-General Coppola niemals Teil des Plans.

Der Zweck der Polizeireform bestand nicht... besteht nicht darin, das Land zu einen.

Die Polizeireform dient dazu, eine bessere Sicherheit aufzubauen,

was bedeutet, dass die Menschen sich hier überall sicher fühlen.

Sogar die Leute, die von einer Gegend in eine andere ziehen, werden sich sicherer fühlen.

Dies wird sicherlich das Vertrauen in den Staat Bosnien und Herzegowina steigern.

In den Jahren 95 und 96 reisten die Menschen überhaupt nicht durch Bosnien und Herzegowina.

Es gab an allen Straßen, überall, Checkpoints usw.

Es hat also schon einen dramatischen Wandel gegeben. Zurzeit stagnieren wir jedoch.

Es liegt auf der Hand, dass das Vertrauen und der Glaube an die Polizei eine Schlüsselrolle

für das Vertrauen der Bosnier in die Zukunft ihres Landes spielen wird.

Wenn man nicht reich ist oder niemanden kennt, der einen beschützt, ist man verloren.

Die meisten Leute befinden sich nicht in dieser Position. Wenn die meisten Leute verloren sind

und wenn sie dann kein Vertrauen in die Einrichtungen des Systems haben,

so beginnen diese Menschen, das System zu hassen.

Leute, die das Land hassen, kämpfen gegen das Land; dieses Land ist dem Untergang geweiht.

Wenn aber ein echtes, wahres Justizsystem eingerichtet ist,

ist alles viel einfacher.

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