SPRACHE
Übersetzungsbedingt geht die deutsche Ausgabe des NATO Briefs etwa zwei Wochen nach der englischen Fassung online.
Über den NATO Brief
Anweisungen zur Unterbreitung von Beiträgen
Urheberrechtliche Informationen
Das Redaktionsteam
 RSS
Diesen Artikel an einen Freund senden
NATO Brief abonnieren
  

Bosnien: eine neue Modellarmee?

Die bosnischen Streitkräfte werden nun als wirkliche Sicherheitskräfte angesehen - und nicht als Bedrohung der Sicherheit. Wie kam es dazu?

Get the Flash Player to see this player.

Nach dem Konflikt im Land war es dringend erforderlich sicherzustellen, dass die bosnischen Streitkräfte von Grund auf überholt wurden. Trotz mehrerer Hindernisse ist dieses Vorhaben gelungen und hat alle Erwartungen übertroffen. Hier erläutern nun einige Personen, die im Mittelpunnkt dieses Wandels standen, warum dies so gut geklappt hat.

Laufzeit des Videos: 11.55

 Untertitel: An / Aus

© NATO Brief

Die Streitkräfte spielten eine zentrale Rolle, als

als Bosnien und Herzegowina während des Kriegs in den 90er Jahren fast zerrissen wurde.

Nach dem Krieg bestand eine der dringlichsten, aber beängstigenden Aufgaben darin,

eine Streitkraft für das neue Land aufzubauen.

Soldaten mussten zusammengebracht werden, die sich vor kurzem noch bekämpft hatten.

Die Verteidigungsreform war weder schnell noch einfach,

aber trotzdem - laut der internationalen wie der lokalen Bevölkerung - ein Erfolg.

Ich denke, dass die Reform weiter gegangen ist, als wir für möglich hielten.

Ich würde zustimmen, dass dies der größte Durchbruch seit dem Dayton-Friedensabkommen war.

Die Verteidigungsreform ist sehr weit gegangen.

Bislang ist die Reform eine große Erfolgsstory, ganz zweifellos.

Über die Verteidigungsreform geht, kann man in aller Fairness sagen, dass sie ein Erfolg war,

der durch die lokalen Führer wie auch durch die internationale Gemeinschaft zustande kam.

Die Ergebnisse der Verteidigungsreform gehen weit darüber hinaus,

sich ehemals bekämpfende Soldaten zu einer Zusammenarbeit zu bewegen.

Ein Maßstab für den Fortschritt ist, dass die bosnischen Soldaten jetzt im Rahmen

friedenserhaltender Maßnahmen in Ländern wie Irak oder Kongo eingesetzt werden.

Wir konnten sehen, dass die drei Streitkräfte schließlich zu einer einzigen,

gemeinsamen Streitkraft in Bosnien und Herzegowina zusammenwuchsen.

Und das ist ein gewaltiger Fortschritt.

Es ist auch eine Professionalisierung des Militärs, mit massivem Personalabbau.

Der ursprüngliche Auftrag der Verteidigungsreform bestand darin,

eine einzige Personal-, Finanz- und Logistikstruktur aufzubauen.

Es war ebenfalls vorgesehen, dass die Verteidigungsministerien der zwei Entitäten,

der Republika Srpska und der Bosnisch-Kroatischen Föderation, abgeschafft würden.

Kurz darauf stellte sich heraus, dass ein reales Interesse daran bestand,

diese Entwicklung fortzuführen und eine einzige wirkliche Streitkraft zu bilden,

zumindest in dem Maße, wie wir eine solche in Bosnien und Herzegowina haben können.

Und genau das konnten wir tun.

Somit sind wir weit über das schriftliche Mandat hinausgegangen,

das uns sowohl die NATO als auch der Hohe Repräsentant erteilt hatten.

Ergebnis: eine gemeinsame Streitkraft. Wichtig hierbei ist "gemeinsam", nicht "vereinigt".

Die bosnischen Streitkräfte sind eigentlich in Regimenter gegliedert,

ähnlich wie im Vereinigten Königreich und in Kanada.

Die Strukturen der Streitkräfte werden die politischen Strukturen vor Ort widerspiegeln.

Und wir haben vereinigte statt gemeinsamer Streitkräfte,

da wir statt eines vereinigten Landes eher ein gemeinsames Land haben.

Das aktuelle Integrationsniveau entspricht dem, was wir zurzeit erreichen können.

Ich denke auch nicht, dass zurzeit eine weitere Integration erforderlich ist,

da die Streitkräfte im Grunde wie eine einzige Streitkraft operieren.

Wie ist die Kommission zur Verteidigungsreform, die mit den erforderlichen Veränderungen

beauftragt wurde, diese Aufgabe angegangen?

Wie in allen Fällen kommt es immer auf das Geld und die Leute an.

Dies war die praktische Herausforderung, vor der wir zu Beginn standen.

Ich kann jedoch sagen, dass wir Glück gehabt haben,

da die politischen Kräfte im Land zu jener Zeit sehr zugänglich waren.

Sie begriffen die Bedeutung dieses Prozesses für das Land.

Und wir erhielten sehr, sehr gute Unterstützung seitens der internationalen Gemeinschaft,

unter anderem vom Hohen Repräsentanten, der OSZE und der NATO.

Wir entwickelten das Konzept für die Verteidigungsreform mit unseren Partnern vor Ort.

Wir kamen nicht mit einem Modellvorschlag und sagten "So muss es sein" -

ganz im Gegenteil.

Ich glaube, dass wir zuerst begriffen, dass wir den politischen Kontext einrichten und

ausformen mussten und dann erst einen Prozess in die Wege leiten konnten,

an dem die Leute im Land selber sich beteiligen könnten.

Ohne dieses Gefühl der lokalen Einbindung hätten wir niemals Erfolg haben können.

Der wichtigste (Wende-) Punkt war, den breiteren Kontext zu erklären

und die Interessen der Hauptakteure des Prozesses zu identifizieren

und sodann zu erklären, wie ihren Interessen durch Reformen gedient werden kann.

Während dieser Reise gab es auch einige Stolpersteine.

Nun ja, es gab einige kleine Punkte. Der eine war eine Lungenentzündung.

Der andere war: Seltsamerweise - und obwohl dies hier für NATO Brief ist -

vermochte die NATO nicht, ihren eigenen größten Erfolg hier anzuerkennen.

Wir haben hier am 18. Juli 2005, eine Woche nach dem 10. Jahrestag von Srebrenica, das Abkommen

festgeschrieben und mit den politischen Führungsfiguren unterzeichnet,

welches die Armee auflöste, die den Genozid von Srebrenica verübt hat.

Dies erfolgte freiwillig... Es wurde jedoch nicht von der NATO selbst

und auch nicht von den internationalen Medien anerkannt,

die sich so darauf konzentrierten, was in der Vergangenheit geschehen war,

dass sie die größte Story über die Zukunft von Bosnien und Herzegowina verpasst haben.

Und einige Höhepunkte.

Ich war sogar auf einem Treffen,

auf dem der Präsident der Republika Srpska die anderen Politiker,

bosnische und kroatische Politiker, darüber aufklärte, was das Regimentssystem ist.

Dies sah ich als eine Art Höhepunkt an.

Die Verteidigungsreform hat das Image der Soldaten in Bosnien und Herzegowina verändert.

Die Streitkräfte haben jüngst zum ersten Mal neue Soldaten angeworben.

Für die 300 offenen Posten auf niedriger Ebene gingen über 3.000 Bewerbungen ein.

Etwa die Hälfte der Bewerber hatte einen Universitätsabschluss.

Dies sind Leute, die wissen, dass sie einer multiethnischen Armee beitreten.

Das stellt kein Dilemma dar.

Und ich bemerkte ebenfalls, dass sie sich um Jobs auf der anderen Seite bewarben.

Die Tatsache, dass sie dies tun, zeigt, dass es kein Sicherheitsrisiko gibt,

dass sie kein Problem damit haben, in anderen Teilen des Landes zu leben und zu arbeiten -

dies haben wir bei anderen großen Reformen nicht gesehen.

Die bosnischen Streitkräfte von Hunderttausenden auf etwa

9.000 Mann zu reduzieren,bedeutete, dass Vorkehrungen

für Tausende Männer und Frauen getroffen werden mussten,

die plötzlich keine Arbeit mehr hatten.

Diese Vorkehrungen umfassen einen NATO Trust Fund,

der ihnen beim Übergang zu neuen Fähigkeiten und Arbeitsplätzen helfen soll.

Seit Beginn des Verteidigungsreformprozesses haben wir insbesondere

sehr darauf geachtet, die Bedürfnisse dieser Soldaten und Verteidigungsbeamten zu beachten,

die für überzählig befunden wurden. Hierzu haben wir Programme bereitgestellt,

die ihnen entweder einen finanziellen Anreiz zur Abfederung dieses Übergangs bieten

oder ihnen Schulungen und Weiterbildungen anbieten,

die sie benötigten, um zu produktiven Mitgliedern der Zivilgesellschaft zu werden.

Diese Vorkehrungen - darunter insbesondere einige von den Entitäten getroffene Vorkehrungen -

stellten jedoch nicht unbedingt die beste Vorgehensweise dar.

Was mir Sorge bereitet, ist, dass der Geldbetrag,

der für demobilisierte Sodaten, Kriegsveteranen und behinderte Veteranen ausgegeben wird,

das eigentliche Verteidigungsbudget um mindestens das Zwei- oder Dreifache übersteigt.

In der Föderation besteht der Grund für die Probleme darin,

dass vor den letzten allgemeinen Wahlen ein Gesetz erlassen wurde,

welches im Grunde jedem behinderten oder demobilisierten Veteranen, der arbeitslos ist,

ein monatliches Stipendium versprach, ohne irgendeine Anforderung betreffend eine Umschulung

oder eine Arbeitsplatzsuche oder einen Arbeitseinsatz - nichts dergleichen.

Und - Überraschung! - die Anzahl unbeschäftiger Veteranen stieg tatsächlich in den Monaten

nach der Verabschiedung dieses Gesetzes um 40.000-50.000.

Darüber hinaus ist nun festzustellen, dass es jetzt mehr Kriegsveteranen gibt,

als es am Ende des Krieges gab.

Da Bosnien seine Verteidigungskräfte aufbaut, stellt sich eine Schlüsselfrage:

"Was ist zurzeit die größte Sicherheitsbedrohung für das Land?"

Ich werde etwas sagen, das viele Menschen verwundern mag.

Meiner persönlichen Meinung nach liegt eine der größten Sicherheitsbedrohungen

für die Zukunft des Landes in seinem Bildungssystem.

Wenn wir auf die Generation blicken... für die aufkommende Generation

begann der Krieg vor 16 Jahren,

daher haben viele Leute ihre Schulausbildung in getrennten Schulen erhalten.

Und wir haben noch immer ein nach Völkergruppen getrenntes Schulwesen.

Wenn man in verschiedenen System aufwächst, verschiedene Versionen der Vergangenheit lernt,

so baut man Probleme für die Zukunft auf.

Vor kurzem - oder vor nicht ganz so kurzem kam eine Umfrage von PRISM Research

zu dem Schluss, dass es tatsächlich immer mehr Menschen gibt, die in einen Krieg ziehen würden,

um Bosnien und Herzgeowina entweder zu schützen oder aufzulösen.

Trotzdem erwarteten nur wenige, dass diese Trennungen

zu einem solchen Konflikt wie jenem in Bosnien in der Vergangenheit führen würden.

Das sehe ich nicht. Hier gibt es keinen "Motor" für einen neuen Krieg.

Es gibt aber immer Potenzial für neue, kleinere Konflikte.

Jeder Erfolg ist für den sozialen Zusammenhalt und die Integration der Gesellschaft wichtig.

In dieser Hinsicht denke ich, dass dieser Prozess für die Integration sehr positiv ist.

Die Verteidigungsreform in Bosnien wurde zum einen durch die internationale Gemeinschaft

unterstützt und richtete sich zum anderen an sie.

Inwiefern haben sie die internationale Gemeinschaft davon überzeugt,

dass Bosnien bereit ist, internationalen Organisationen beizutreten?

Wenn es nur nach dem Außenminister und Verteidigungsminister dieses Landes ginge,

wäre Bosnien und Herzegowina schon nächstes Jahr NATO-Mitglied.

Uns allen ist aber bewusst, dass es länger dauern wird.

Angesichts der politischen Unterstützung und der Unterstützung durch das NATO-Hauptquartier

in Sarajevo bin ich sicher, dass sie ihren Weg zur NATO-Mitgliedschaft fortsetzen werden

und hoffentlich so bald wie politisch möglich zu einem NATO-Beitritt eingeladen werden.

Wir haben das Glück, dass zurzeit eine NATO-Mitgliedschaft

meines Erachtens von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird.

Sie machen so große Fortschritte in Bezug auf die Verteidigungsreform,

dass es nicht unrealistisch ist, beispielsweise eine Billigung des Membership Action Plan

für das kommende Jahr oder für 2010 ins Auge zu fassen.

Im Vergleich zu anderen Ländern der Region machen sie ziemlich schnell Fortschritte.

Für manche kann dies nicht schnell genug gehen.

Als ziemlich junger Mann bin ich ungeduldig.

Ich möchte nicht erst Teil der Europäischen Union oder der NATO werden, wenn ich in Rente gehe.

Ich möchte die EU und die NATO schon ein wenig früher genießen.

Die Streitkräfte haben sich seit Beginn der Verteidigungsreform stark verändert.

Was ist der nächste Schritt?

Mir scheint, dass wir uns jetzt an einer Art Scheideweg befinden,

an dem sich entscheidet, ob es zu vereinigten Streitkräften kommen wird

oder ob es zurück zu den geteilten Armeen geht.

Und in den nächsten... in den kommenden Monaten

wird dieses Thema, zumindest in meinen Augen, immer häufiger aufkommen.

Der nächste Schritt, der von einigen Politikern und einigen internationalen Vertretern

erörtert erörtert worden ist, ist eine komplette Entmilitarisierung des Landes.

Man darf aber davon ausgehen, dass dieser Schritt sehr unwahrscheinlich ist,

solange es stehende Armeen in den Nachbarländern gibt.

Unabhängig von den künftigen Ereignissen haben die bosnischen Streitkräfte ein gutes Beispiel

dafür gegeben, wie das Land große Schritte weg von seiner Vergangenheit

und hin zu einer leuchtenderen Zukunft machen kann und gemacht hat.

Ich sehe die Streitkräfte von Bosnien und Herzegowina als eine einige Armee,

die bei diesem sozialen Wandel in Bosnien und Herzegowina eine führende Rolle spielt.

Obwohl sie alle aus unterschiedlichen ethnischen Backgrounds kommen

und während des jüngsten Konflikts auf unterschiedlichen Seiten gekämpft haben,

tragen sie heute stolz die gleiche Uniform.

Daher flößen sie mir viel Vertrauen und Optimismus

für die Zukunft von Bosnien und Herzegowina ein.

Die Streitkräfte spielten eine zentrale Rolle, als

als Bosnien und Herzegowina während des Kriegs in den 90er Jahren fast zerrissen wurde.

Nach dem Krieg bestand eine der dringlichsten, aber beängstigenden Aufgaben darin,

eine Streitkraft für das neue Land aufzubauen.

Soldaten mussten zusammengebracht werden, die sich vor kurzem noch bekämpft hatten.

Die Verteidigungsreform war weder schnell noch einfach,

aber trotzdem - laut der internationalen wie der lokalen Bevölkerung - ein Erfolg.

Ich denke, dass die Reform weiter gegangen ist, als wir für möglich hielten.

Ich würde zustimmen, dass dies der größte Durchbruch seit dem Dayton-Friedensabkommen war.

Die Verteidigungsreform ist sehr weit gegangen.

Bislang ist die Reform eine große Erfolgsstory, ganz zweifellos.

Über die Verteidigungsreform geht, kann man in aller Fairness sagen, dass sie ein Erfolg war,

der durch die lokalen Führer wie auch durch die internationale Gemeinschaft zustande kam.

Die Ergebnisse der Verteidigungsreform gehen weit darüber hinaus,

sich ehemals bekämpfende Soldaten zu einer Zusammenarbeit zu bewegen.

Ein Maßstab für den Fortschritt ist, dass die bosnischen Soldaten jetzt im Rahmen

friedenserhaltender Maßnahmen in Ländern wie Irak oder Kongo eingesetzt werden.

Wir konnten sehen, dass die drei Streitkräfte schließlich zu einer einzigen,

gemeinsamen Streitkraft in Bosnien und Herzegowina zusammenwuchsen.

Und das ist ein gewaltiger Fortschritt.

Es ist auch eine Professionalisierung des Militärs, mit massivem Personalabbau.

Der ursprüngliche Auftrag der Verteidigungsreform bestand darin,

eine einzige Personal-, Finanz- und Logistikstruktur aufzubauen.

Es war ebenfalls vorgesehen, dass die Verteidigungsministerien der zwei Entitäten,

der Republika Srpska und der Bosnisch-Kroatischen Föderation, abgeschafft würden.

Kurz darauf stellte sich heraus, dass ein reales Interesse daran bestand,

diese Entwicklung fortzuführen und eine einzige wirkliche Streitkraft zu bilden,

zumindest in dem Maße, wie wir eine solche in Bosnien und Herzegowina haben können.

Und genau das konnten wir tun.

Somit sind wir weit über das schriftliche Mandat hinausgegangen,

das uns sowohl die NATO als auch der Hohe Repräsentant erteilt hatten.

Ergebnis: eine gemeinsame Streitkraft. Wichtig hierbei ist "gemeinsam", nicht "vereinigt".

Die bosnischen Streitkräfte sind eigentlich in Regimenter gegliedert,

ähnlich wie im Vereinigten Königreich und in Kanada.

Die Strukturen der Streitkräfte werden die politischen Strukturen vor Ort widerspiegeln.

Und wir haben vereinigte statt gemeinsamer Streitkräfte,

da wir statt eines vereinigten Landes eher ein gemeinsames Land haben.

Das aktuelle Integrationsniveau entspricht dem, was wir zurzeit erreichen können.

Ich denke auch nicht, dass zurzeit eine weitere Integration erforderlich ist,

da die Streitkräfte im Grunde wie eine einzige Streitkraft operieren.

Wie ist die Kommission zur Verteidigungsreform, die mit den erforderlichen Veränderungen

beauftragt wurde, diese Aufgabe angegangen?

Wie in allen Fällen kommt es immer auf das Geld und die Leute an.

Dies war die praktische Herausforderung, vor der wir zu Beginn standen.

Ich kann jedoch sagen, dass wir Glück gehabt haben,

da die politischen Kräfte im Land zu jener Zeit sehr zugänglich waren.

Sie begriffen die Bedeutung dieses Prozesses für das Land.

Und wir erhielten sehr, sehr gute Unterstützung seitens der internationalen Gemeinschaft,

unter anderem vom Hohen Repräsentanten, der OSZE und der NATO.

Wir entwickelten das Konzept für die Verteidigungsreform mit unseren Partnern vor Ort.

Wir kamen nicht mit einem Modellvorschlag und sagten "So muss es sein" -

ganz im Gegenteil.

Ich glaube, dass wir zuerst begriffen, dass wir den politischen Kontext einrichten und

ausformen mussten und dann erst einen Prozess in die Wege leiten konnten,

an dem die Leute im Land selber sich beteiligen könnten.

Ohne dieses Gefühl der lokalen Einbindung hätten wir niemals Erfolg haben können.

Der wichtigste (Wende-) Punkt war, den breiteren Kontext zu erklären

und die Interessen der Hauptakteure des Prozesses zu identifizieren

und sodann zu erklären, wie ihren Interessen durch Reformen gedient werden kann.

Während dieser Reise gab es auch einige Stolpersteine.

Nun ja, es gab einige kleine Punkte. Der eine war eine Lungenentzündung.

Der andere war: Seltsamerweise - und obwohl dies hier für NATO Brief ist -

vermochte die NATO nicht, ihren eigenen größten Erfolg hier anzuerkennen.

Wir haben hier am 18. Juli 2005, eine Woche nach dem 10. Jahrestag von Srebrenica, das Abkommen

festgeschrieben und mit den politischen Führungsfiguren unterzeichnet,

welches die Armee auflöste, die den Genozid von Srebrenica verübt hat.

Dies erfolgte freiwillig... Es wurde jedoch nicht von der NATO selbst

und auch nicht von den internationalen Medien anerkannt,

die sich so darauf konzentrierten, was in der Vergangenheit geschehen war,

dass sie die größte Story über die Zukunft von Bosnien und Herzegowina verpasst haben.

Und einige Höhepunkte.

Ich war sogar auf einem Treffen,

auf dem der Präsident der Republika Srpska die anderen Politiker,

bosnische und kroatische Politiker, darüber aufklärte, was das Regimentssystem ist.

Dies sah ich als eine Art Höhepunkt an.

Die Verteidigungsreform hat das Image der Soldaten in Bosnien und Herzegowina verändert.

Die Streitkräfte haben jüngst zum ersten Mal neue Soldaten angeworben.

Für die 300 offenen Posten auf niedriger Ebene gingen über 3.000 Bewerbungen ein.

Etwa die Hälfte der Bewerber hatte einen Universitätsabschluss.

Dies sind Leute, die wissen, dass sie einer multiethnischen Armee beitreten.

Das stellt kein Dilemma dar.

Und ich bemerkte ebenfalls, dass sie sich um Jobs auf der anderen Seite bewarben.

Die Tatsache, dass sie dies tun, zeigt, dass es kein Sicherheitsrisiko gibt,

dass sie kein Problem damit haben, in anderen Teilen des Landes zu leben und zu arbeiten -

dies haben wir bei anderen großen Reformen nicht gesehen.

Die bosnischen Streitkräfte von Hunderttausenden auf etwa

9.000 Mann zu reduzieren,bedeutete, dass Vorkehrungen

für Tausende Männer und Frauen getroffen werden mussten,

die plötzlich keine Arbeit mehr hatten.

Diese Vorkehrungen umfassen einen NATO Trust Fund,

der ihnen beim Übergang zu neuen Fähigkeiten und Arbeitsplätzen helfen soll.

Seit Beginn des Verteidigungsreformprozesses haben wir insbesondere

sehr darauf geachtet, die Bedürfnisse dieser Soldaten und Verteidigungsbeamten zu beachten,

die für überzählig befunden wurden. Hierzu haben wir Programme bereitgestellt,

die ihnen entweder einen finanziellen Anreiz zur Abfederung dieses Übergangs bieten

oder ihnen Schulungen und Weiterbildungen anbieten,

die sie benötigten, um zu produktiven Mitgliedern der Zivilgesellschaft zu werden.

Diese Vorkehrungen - darunter insbesondere einige von den Entitäten getroffene Vorkehrungen -

stellten jedoch nicht unbedingt die beste Vorgehensweise dar.

Was mir Sorge bereitet, ist, dass der Geldbetrag,

der für demobilisierte Sodaten, Kriegsveteranen und behinderte Veteranen ausgegeben wird,

das eigentliche Verteidigungsbudget um mindestens das Zwei- oder Dreifache übersteigt.

In der Föderation besteht der Grund für die Probleme darin,

dass vor den letzten allgemeinen Wahlen ein Gesetz erlassen wurde,

welches im Grunde jedem behinderten oder demobilisierten Veteranen, der arbeitslos ist,

ein monatliches Stipendium versprach, ohne irgendeine Anforderung betreffend eine Umschulung

oder eine Arbeitsplatzsuche oder einen Arbeitseinsatz - nichts dergleichen.

Und - Überraschung! - die Anzahl unbeschäftiger Veteranen stieg tatsächlich in den Monaten

nach der Verabschiedung dieses Gesetzes um 40.000-50.000.

Darüber hinaus ist nun festzustellen, dass es jetzt mehr Kriegsveteranen gibt,

als es am Ende des Krieges gab.

Da Bosnien seine Verteidigungskräfte aufbaut, stellt sich eine Schlüsselfrage:

"Was ist zurzeit die größte Sicherheitsbedrohung für das Land?"

Ich werde etwas sagen, das viele Menschen verwundern mag.

Meiner persönlichen Meinung nach liegt eine der größten Sicherheitsbedrohungen

für die Zukunft des Landes in seinem Bildungssystem.

Wenn wir auf die Generation blicken... für die aufkommende Generation

begann der Krieg vor 16 Jahren,

daher haben viele Leute ihre Schulausbildung in getrennten Schulen erhalten.

Und wir haben noch immer ein nach Völkergruppen getrenntes Schulwesen.

Wenn man in verschiedenen System aufwächst, verschiedene Versionen der Vergangenheit lernt,

so baut man Probleme für die Zukunft auf.

Vor kurzem - oder vor nicht ganz so kurzem kam eine Umfrage von PRISM Research

zu dem Schluss, dass es tatsächlich immer mehr Menschen gibt, die in einen Krieg ziehen würden,

um Bosnien und Herzgeowina entweder zu schützen oder aufzulösen.

Trotzdem erwarteten nur wenige, dass diese Trennungen

zu einem solchen Konflikt wie jenem in Bosnien in der Vergangenheit führen würden.

Das sehe ich nicht. Hier gibt es keinen "Motor" für einen neuen Krieg.

Es gibt aber immer Potenzial für neue, kleinere Konflikte.

Jeder Erfolg ist für den sozialen Zusammenhalt und die Integration der Gesellschaft wichtig.

In dieser Hinsicht denke ich, dass dieser Prozess für die Integration sehr positiv ist.

Die Verteidigungsreform in Bosnien wurde zum einen durch die internationale Gemeinschaft

unterstützt und richtete sich zum anderen an sie.

Inwiefern haben sie die internationale Gemeinschaft davon überzeugt,

dass Bosnien bereit ist, internationalen Organisationen beizutreten?

Wenn es nur nach dem Außenminister und Verteidigungsminister dieses Landes ginge,

wäre Bosnien und Herzegowina schon nächstes Jahr NATO-Mitglied.

Uns allen ist aber bewusst, dass es länger dauern wird.

Angesichts der politischen Unterstützung und der Unterstützung durch das NATO-Hauptquartier

in Sarajevo bin ich sicher, dass sie ihren Weg zur NATO-Mitgliedschaft fortsetzen werden

und hoffentlich so bald wie politisch möglich zu einem NATO-Beitritt eingeladen werden.

Wir haben das Glück, dass zurzeit eine NATO-Mitgliedschaft

meines Erachtens von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird.

Sie machen so große Fortschritte in Bezug auf die Verteidigungsreform,

dass es nicht unrealistisch ist, beispielsweise eine Billigung des Membership Action Plan

für das kommende Jahr oder für 2010 ins Auge zu fassen.

Im Vergleich zu anderen Ländern der Region machen sie ziemlich schnell Fortschritte.

Für manche kann dies nicht schnell genug gehen.

Als ziemlich junger Mann bin ich ungeduldig.

Ich möchte nicht erst Teil der Europäischen Union oder der NATO werden, wenn ich in Rente gehe.

Ich möchte die EU und die NATO schon ein wenig früher genießen.

Die Streitkräfte haben sich seit Beginn der Verteidigungsreform stark verändert.

Was ist der nächste Schritt?

Mir scheint, dass wir uns jetzt an einer Art Scheideweg befinden,

an dem sich entscheidet, ob es zu vereinigten Streitkräften kommen wird

oder ob es zurück zu den geteilten Armeen geht.

Und in den nächsten... in den kommenden Monaten

wird dieses Thema, zumindest in meinen Augen, immer häufiger aufkommen.

Der nächste Schritt, der von einigen Politikern und einigen internationalen Vertretern

erörtert erörtert worden ist, ist eine komplette Entmilitarisierung des Landes.

Man darf aber davon ausgehen, dass dieser Schritt sehr unwahrscheinlich ist,

solange es stehende Armeen in den Nachbarländern gibt.

Unabhängig von den künftigen Ereignissen haben die bosnischen Streitkräfte ein gutes Beispiel

dafür gegeben, wie das Land große Schritte weg von seiner Vergangenheit

und hin zu einer leuchtenderen Zukunft machen kann und gemacht hat.

Ich sehe die Streitkräfte von Bosnien und Herzegowina als eine einige Armee,

die bei diesem sozialen Wandel in Bosnien und Herzegowina eine führende Rolle spielt.

Obwohl sie alle aus unterschiedlichen ethnischen Backgrounds kommen

und während des jüngsten Konflikts auf unterschiedlichen Seiten gekämpft haben,

tragen sie heute stolz die gleiche Uniform.

Daher flößen sie mir viel Vertrauen und Optimismus

für die Zukunft von Bosnien und Herzegowina ein.

Diesen Artikel mit anderen teilen:    DiggIt   MySpace   Facebook   Delicious   Permalink