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Was bedeutet die Nahrungsmittelkrise in Afghanistan?

NATO Brief sprach mit der Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan über die Auswirkungen der Nahrungsmittelkrise im Land und was diese Krise für die dortige Sicherheitslage bedeutet.

Afghanistan, eines der ärmsten Länder der Welt, hat bereits unter der Nahrungsmittelkrise gelitten. Das wichtigste Grundnahrungsmittel des Landes, Weizenmehl, ist innerhalb eines Jahres im Schnitt um fast 60 Prozent teurer geworden.

Da sie die Auswirkungen dieser Krise auf die arme Bevölkerung des Landes erkannte, bat die afghanische Regierung die internationale Gemeinschaft um Hilfe für die afghanischen Haushalte mit geringer Kaufkraft. Am 24. Januar erging ein gemeinsamer Appell von UNICEF, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Welternährungsprogramms für 81 Millionen USD zur Unterstützung der 2,55 Millionen Afghanen, die am härtesten von den Preissteigerungen getroffen wurden.

Das wichtigste Grundnahrungsmittel des Landes, Weizenmehl, ist innerhalb eines Jahres im Schnitt um fast 60 Prozent teurer geworden.

Das Welternährungsprogramm hat den schwächsten Teilen der afghanischen Bevölkerung in den vergangenen Monaten Ernährungshilfe zukommen lassen, mit dem Ziel, insgesamt 2,5 Millionen Afghanen in städtischen und ländlichen Gebieten innerhalb des ersten Halbjahres mit diesem Programm zu erreichen.

Ausserdem erklärte Pakistan am 6. Mai, 50.000 Tonnen Weizen nach Afghanistan exportieren zu wollen, um eine Nahrungsmittelkrise in diesem Land zu verhindern; außerdem hat Pakistan zugesagt, eine Einigung mit der afghanischen Regierung über zusätzliche Exporte zu erzielen.

Inzwischen laufen Diskussionen zwischen den Vereinten Nationen und der afghanischen Regierung, um zu prüfen, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten, wenn die Nahrungsmittelversorgung auf der Grundlage dieses Appells endet. Diese Maßnahmen umfassen den Import von Weizen, um den kurzfristigen Nahrungsmittelbedarf zu decken, eine Prüfung, inwiefern das Anlegen von Getreidereserven auf mittelfristige Sicht machbar ist, sowie die Steigerung der Kapazität des afghanischen Landwirtschaftssektors auf lange Sicht, so dass Afghanistan im Nahrungsbereich autark werden kann, unterstützt druch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

NATO Brief fragte bei der UN-Unterstützungsmission in Afghanistan (UNAMA), welche die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan zusammen mit der Regierung des Landes lenkt, was diese Entwicklungen für die Menschen und die Sicherheit am Boden in Afghanistan bedeutet haben, wo die NATO die International Security Assistance Force anführt.

NATO Brief: Welche praktischen Sicherheitsfragen stellen sich aufgrund der Knappheit von erschwinglichen Nahrungsmitteln in Afghanistan?

UNAMA: Infolge der höheren Lebensmittelpreise ist es für Millionen Afghanen äußerst problematisch, sich überhaupt zu ernähren. Die praktischen Sicherheitsfragen umfassen Demonstrationen (die auch auf das mangelnde Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit in Afghanistan zurückzuführen sind, dass die steigenden Lebensmittelpreise Teil eines globalen Phänomens sind) sowie möglicherweise eine steigende Gefahr, dass junge Männer sich von regierungsfeindlichen Elementen rekrutieren lassen. Angriffe von kriminellen Gruppierungen und regierungsfeindlichen Elementen auf Lebensmittelhilfe-Konvois sind ein Problem in vielen Gegenden.

NR: Der Beauftragte der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen in Afghanistan hat gesagt, dass der höhere Preis für Weizen und der niedrigere Preis für Opium die afghanischen Landwirte ermuntern könnte, vom Anbau von Mohn auf den Anbau von Lebensmitteln umzuschwenken. Welche Beweise haben Sie hierfür gesehen?

UNAMA: Es ist zurzeit noch zu früh zu sagen, ob die höheren Lebensmittelpreise (Weizen) zu einem Wechsel vom Mohnanbau hin zum Anbau legitimer Lebensmittel führen werden. Einerseits können die höheren Preise einen Anreiz darstellen; andererseits gibt es eine Fülle von Faktoren, die Einfluss auf diese Entwicklung nehmen werden. So ist beispielsweise Mohn trockenheitsbeständiger als Weizen; hohe Dünger- und Kraftstoffpreise machen es teuer, Weizen anzupflanzen und zu transportieren, und in manchen Fällen werden die Landwirte gezwungen, Mohn anzubauen, und haben keinerlei Entscheidungsfreiheit auf diesem Gebiet.

Es ist durchaus möglich, dass sich junge Männer aufgrund der hohen Lebensmittelpreis eher von regierungsfeindlichen Elementen, einschließlich der Taliban, rekrutieren lassen.

NR: Sind die am schwersten getroffenen Gebiete von Afghanistan auch die instabilsten?

UNAMA: Wir haben keine direkte Korrelation feststellen können. Im Allgemeinen ist die Bevölkerung in entlegenen, unter Trockenheit leidenden Gegenden am stärksten von hohen Lebensmittelpreisen betroffen. Allerdings sind natürlich Hilfslieferungen in Gebiete mit einer schlechten Sicherheitslage schwieriger. Laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) wurden im Jahr 2007 über 30 Angriffe auf kommerzielle Fahrzeuge oder Konvois, die Lebensmittel der WFP transportierten, gemeldet. Insgesamt gingen 870 Tonnen Lebensmittel mit einem Gesamtwert von 730.000 USD infolge dieser Angriffe verloren.

NR: Denken Sie, dass die Taliban die Unsicherheit ausnutzen oder ausnutzen könnten, welche durch die Schwierigkeiten bezüglich der Lebensmittelpreise verursacht wird?

UNAMA: Es ist durchaus möglich, dass sich junge Männer aufgrund der hohen Lebensmittelpreis eher von regierungsfeindlichen Elementen, einschließlich der Taliban, rekrutieren lassen.

NR: Haben Sie irgendwelche Beweise dafür gesehen, dass die „Comprehensive Approach“ (die sicherstellen soll, dass zivile und militärische Stellen enger zusammenarbeiten) in der Reaktion auf die Nahrungsmittellage in Afghanistan zum Tragen kommt?

UNAMA: Die Stellen der Vereinten Nationen haben sich regelmäßig mit der ISAF (International Security Assistance Force) getroffen, um sich über die Nahrungsmittelsicherheitslage in Afghanistan und die Maßnahmen, welche die Vereinten Nationen und die Regierung von Afghanistan ergreifen, um die Situation zu lindern, auszutauschen.

Fragen und Antworten

Warum steigen die Nahrungsmittelpreise plötzlich so schnell?
Welches sind die wesentlichen Sorgen betreffend Nahrungsmittel und Sicherheit?
Ist ein Ende in Sicht?
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