Vorwort
Die vorliegende Ausgabe des NATO Briefs mit dem Titel Operationen - damals und heute konzentriert sich nach den Bündniseinsätzen als Reaktion auf den Orkan Katrina und auf das Erdbeben in Südasien sowie kurz vor der Ausweitung der NATO-Mission in Afghanistan auf die zunehmenden operativen Verpflichtungen und Aktivitäten des Bündnisses. Es ist eine besondere Ausgabe, weil es die letzte ist, an der Felicity Breeze mitgearbeitet hat. Sie ist vor kurzem nach 21-jähriger Tätigkeit als Produktionsassistent des NATO Briefs in den Ruhestand getreten. Felicity Breeze kam 1985 zur NATO, d.h. in dem Jahr, als für Ronald Reagan die zweite Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten begann und Michail Gorbatschow in der Sowjetunion die Führung übernahm. Bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand hat Felicity Breeze beim NATO Brief die Effizienz der Redaktionsarbeit gewährleistet, und zwar in einem in der Bündnisgeschichte außergewöhnlichen Zeitraum, der sich vom Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Krieges über die sich daran anschließende Umgestaltung der NATO, die Entwicklung der Partnerschaften des Bündnisses und die NATO-Interventionen im ehemaligen Jugoslawien bis hin zur anhaltenden Umgestaltung der NATO als Reaktion auf den 11. September, zur Inkraftsetzung des Artikels 5 und zu den Missionen des Bündnisses jenseits des euro-atlantischen Raumes erstreckt hat. Ihr Engagement, ihr Teamgeist und ihre Liebe zum Detail haben dazu beigetragen, aus dem NATO Brief das zu machen, was er heute ist. Wir werden sie vermissen.

Im ersten von insgesamt vier Artikeln zu diesem Hauptthema der vorliegenden Ausgabe untersucht James Pardew, der in der NATO-Abteilung für Operationsführung für den Bereich Operationen zuständig ist, gemeinsam mit mir, wie sich der Schwerpunkt der NATO auf den operativen Bereich verlagert hat. Mihai Carp (ebenfalls von der NATO-Abteilung für Operationsführung) befasst sich mit den Herausforderungen und Aussichten der Bündnisoperation in Afghanistan. Gabriele Cascone und Joaquin Molina von der NATO-Abteilung für politische Angelegenheiten und Sicherheitspolitik bzw. für Operationsführung analysieren die Aussichten, die sich im nächsten Jahr für die westlichen Balkanstaaten ergeben werden. Und Maurits Jochems, ebenfalls von der NATO-Abteilung für Operationsführung, befasst sich mit der Rolle der NATO auf dem Gebiet der Katastrophenhilfe.

In der Debatte erörtern Louis Sell von der Universität von Maine und Bruno Coppieters von der Freien Universität Brüssel die Folgen eines unabhängigen Kosovo für die internationale Stabilität im weiteren Sinne. Im Interview erläutert Christian Schwarz-Schilling, letzter Hoher Beauftragter für Bosnien und Herzegowina, auf welche Weise er im bosnischen Friedensprozess Fortschritte erreichen will. In einem weiteren Beitrag prüft Alexia Mikhos von der NATO-Abteilung für Operationsführung das Ausmaß der Bedrohung Afghanistans durch die Drogenproblematik. Kenneth Weisbrode von der Atlantischen Gesellschaft der Vereinigten Staaten würdigt in seinem Beitrag George F. Kennan, Paul H. Nitze und Andrew J. Goodpaster, drei vor kurzem verstorbene führende Strategen des Kalten Krieges. Lawrence S. Kaplan von der Universität Georgetown analysiert anlässlich des 50. Jahrestags der Veröffentlichung des Berichts des Dreierausschusses über die nichtmilitärische Zusammenarbeit in der NATO die Bedeutung dieses Dokuments. Und Christoph Bertram vom Bologna Center der Johns-Hopkins-Universität (School of Advanced International Studies) vertritt die Ansicht, die NATO solle sich auf Stabilisierungsaufgaben konzentrieren und nicht mehr den Anspruch erheben, ein Bündnis zur Führung von Kriegen zu sein.
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