zur Homepage der NATO
zur Homepage des NATO-Briefs
      aktuelle Ausgabe: Herbst 2003 frühere Ausgaben  |  Sprache
zur Homepage der NATO
 Inhalt
 Vorwort
 Kurzfassungen
 Debatte
 Interview
 Rezension
 Sonderbeitrag
 Militärisches
 Autoren
 Links
 Nächste
 Ausgabe
zur Homepage des NATO-Briefs Kontakt Druckfassung

Diesen Artikel an einen Freund senden
Kurzfassungen

Aufbau effizienter Partnerschaften
Christopher Bennett

Eine Veränderung, die sich seit dem Ende des Kalten Krieges im Hinblick auf den sicherheitspolitischen Ansatz der NATO ergeben hat, betrifft die Art und Weise, auf die das Bündnis Partnerschaften mit Nichtmitgliedstaaten und mit anderen internationalen Organisationen hergestellt hat. Diese Politik trug ihre ersten Früchte durch die Einrichtung von Foren und Programmen zur Unterstützung des Demokratisierungsprozesses in Mittel- und Osteuropa, wurde als Reaktion auf die Kriege im ehemaligen Jugoslawien pragmatisch weiterentwickelt und erhielt zusätzliche Dynamik sowie einen gewissen Dringlichkeitscharakter infolge der Terrorangriffe auf die Vereinigten Staaten vom 11. September 2001. Die Überlegung, die dieser Politik zugrunde liegt, lautet folgendermaßen: Da das strategische Umfeld immer komplexer geworden ist, kann keine Institution beanspruchen, im Alleinbesitz der Zauberformel zur Gewährleistung von Frieden und Wohlstand zu sein. Ein Höchstmaß an Sicherheit sowohl für NATO-Mitglieder als auch für die Welt insgesamt lässt sich vielmehr am besten dadurch erreichen, dass man ein Netz von Kooperationspartnern aufbaut, die alle gleichermaßen an der Wahrung und Förderung von Frieden und Wohlstand interessiert sind.

Bande, die zusammenhalten
Julian Lindley-French

Die Tragik der Irakkrise ergab sich aus der Erblast feindseliger Haltungen, die sie hinterließ, und aus der zunehmenden Tendenz allzu vieler Entscheidungsträger auf beiden Seiten des Atlantiks, sich auf Kosten der Zusammenarbeit zwischen der EU und der NATO politisch zu profilieren. Liest man noch einmal die Erklärung der EU und der NATO über die ESVP vom Dezember 2002, die damals für die Zukunft einen Geist verstärkter Zusammenarbeit und gegenseitiger Ergänzung in Aussicht stellte, so ist bemerkenswert, wie viel sich anscheinend in so kurzer Zeit verändert hat. Jetzt ist es an der Zeit, sich ernsthaft an die Arbeit zu machen. Die Vereinigten Staaten kommen um die Härten friedenserhaltender Maßnahmen nicht umhin, und die Europäer müssen etwas für ihre Gefechtsfähigkeit tun. Zwei Schlüsselbereiche, nämlich die Einsatzplanung und -führung sowie die Verteidigungsinvestitionen, müssen hier das Rückgrat der künftigen Zusammenarbeit zwischen der EU und der NATO bilden. Bevor nicht ernsthaft versucht wird, wieder konstruktive und kooperative Beziehungen zwischen diesen beiden Organisationen herzustellen, werden nur die Feinde der Demokratie zufrieden sein können.

Hoffnung, die sich auf Erfahrung gründet
Paul Fritch

Die Terrorangriffe vom 11. September 2001 trugen dazu bei, Entscheidungsträger sowohl der NATO-Mitgliedstaaten als auch Russlands zu der Überzeugung gelangen zu lassen, dass eine allgemeine Annäherung in ihrem Interesse war. Angesichts früherer Enttäuschungen im Hinblick auf die Beziehungen zwischen der NATO und Russland wurde den beiden Seiten jedoch ein beachtlicher Vertrauensbeweis abverlangt, als im Mai 2002 der NATO-Russland-Rat gegründet werden sollte - ein Gremium, in dem die NATO-Mitgliedstaaten und Russland als gleichberechtigte Partner zusammenkommen würden, um gemeinsame Interessen zu erörtern und zu entwickeln, und in dem jede Seite bezüglich der Umsetzung von Beschlüssen die gleichen Rechte und Pflichten haben sollte. Dieser neue Rat gab sich einen ehrgeizigen Arbeitsplan und hat nun nach den ersten eineinhalb Jahren einen beeindruckenden Katalog von Erfolgen vorzuweisen. Er ist aber noch weit davon entfernt, alle in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Viele Vertreter des Westens begegnen Russland weiterhin mit einem nahezu instinktiven Misstrauen, und viele Russen hegen weiterhin schlimme Befürchtungen im Hinblick auf die Absichten der NATO. Trotzdem sind die NATO und Russland durch ein dauerhaftes Interesse an der Verbreitung von Frieden und Wohlstand verbunden, und Meinungsverschiedenheiten in einzelnen Fragen und historisch begründete Gegensätze weichen allmählich einem eher allgemeinen Geist der Partnerschaft.

Langsam und unberechenbar, aber trotzdem vorwärts
James Sherr

Die Integration der Ukraine in euro-atlantische Sicherheitsstrukturen und der Umbau ihres nationalen Sicherheitssystems sind zu untrennbar miteinander verknüpften Zielen geworden, die von zwei Faktoren vorangetrieben werden. Der erste besteht in den nationalen Interessen der Ukraine und der zweite in den Beziehungen dieses Landes zur NATO. Heute wird die Ukraine nicht von möglichen Angreifern bedroht, sondern von denen, die den Staat von innen her untergraben. Die Reformen sind nur schrittweise verwirklicht worden und hatten jeweils mit Sonderinteressen von Lobbygruppen und den wirtschaftlichen Gegebenheiten zu kämpfen. Ohne die Beziehungen der Ukraine zur NATO wären die langfristigen Erfolgsaussichten noch unsicherer. Die Ukraine hat sich von Anfang an (d.h. seit 1994) am Planungs- und Überprüfungsprozess der PfP beteiligt. Während der Schwerpunkt zunächst auf Einheiten lag, die für PfP-Aktivitäten unter der Leitung der NATO bereitgestellt wurden, beschloss die Ukraine im Herbst des Jahres 2000, dieses Planungsinstrument zur Unterstützung ihrer Bemühungen um die Reform des Verteidigungssektors einzusetzen. Die größten Hindernisse für weitere Reformen sind die Begrenztheit der verfügbaren Ressourcen und der Teil des Sicherheitssektors, der nicht in die Zuständigkeit des Verteidigungsministeriums fällt. Gelingt es der Ukraine, diese Hindernisse zu beseitigen, so werden sich die Ukrainer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um noch engere Beziehungen zur NATO bemühen.

Hier spricht Peking
Zuqian Zhang

Die Terrorangriffe auf die Vereinigten Staaten vom 11. September 2001 und die darauf folgenden Entwicklungen - die Verbesserung der Beziehungen zwischen der NATO und Russland, die zweite NATO-Erweiterungsrunde nach dem Ende des Kalten Krieges und die zunehmende Rolle der NATO in Afghanistan - haben den physischen Abstand zwischen dem Bündnis und China deutlich verringert. Zu den Faktoren, die im Hinblick auf eine konstruktive Entwicklung der Beziehungen zwischen China und der NATO Anlass zu Optimismus geben, zählt die Tatsache, dass die NATO ihre Pläne für die Zusammenarbeit mit Staaten innerhalb und auch außerhalb Europas bereits erweitert hat; dass die NATO und die Vereinten Nationen ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt haben, einander zu ergänzen, anstatt ihre Beziehungen durch Antagonismus kennzeichnen zu lassen, und dass sich in China selbst ein tief greifender Wandel vollzieht, durch den sich die chinesische Sicherheitspolitik wahrscheinlich besser mit der Sicherheitspolitik der meisten anderen Staaten vereinbaren lässt. In dem Maße wie die NATO Aufgaben außerhalb ihres traditionellen Operationsgebiets übernimmt, wird sie China in Zentral, Süd- und Südostasien immer näher kommen. Folglich ist es vielleicht an der Zeit, die Beziehungen zu China stärker zu formalisieren.

Eine grundlegend neue Kommandostruktur für die NATO
Luftwaffengeneral Andrew Vallance

Die neue Kommandostruktur der NATO bedeutet die vielleicht wichtigste Entwicklung hinsichtlich der militärischen Organisation des Bündnisses, seit die NATO vor mehr als 50 Jahren gegründet wurde. Sie wurde zur Erfüllung der operativen Voraussetzungen für das gesamte Spektrum der Bündnisaufgaben gestrafft, um zu erreichen, was die Staats- und Regierungschefs der NATO letztes Jahr auf dem Prager Gipfel als "eine schlankere, effizientere und besser dislozierbare Kommandostruktur" bezeichneten. Wie ihr Vorgänger von 1999 stützt sie sich auf zwei strategische Kommandos, unterscheidet sich jedoch von ihr aufgrund ihres eher funktionalen statt geographischen Ansatzes. Alle operativen Aspekte der NATO-Aufgaben fallen unter das Alliierte Kommando Operationsführung (ACO). Das ACO hat drei Führungsebenen, sein Hauptquartier ist das Oberste Hauptquartier der Alliierten Mächte Europa (SHAPE), und es wird vom Obersten Alliierten Befehlshaber Europa geführt. Laut den neuen Vorkehrungen soll sich SHAPE in erster Linie darauf konzentrieren, "nach oben" (für die NATO-Zentrale) strategisch beratend tätig zu sein und "nach unten" (Hauptquartiere der zweiten ACO-Führungsebene) die strategischen Vorgaben zu machen. Das zweite strategische Kommando, das Alliierte Kommando für Fragen der Umgestaltung (ACT), steht an der Spitze der militärischen Bemühungen um die Umgestaltung des Bündnisses und hat sein Hauptquartier in Norfolk (Virginia, Vereinigte Staaten). Die Umgestaltung bedeutet für das Bündnis eine äußerst schwierige Herausforderung und ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein fortlaufender Entwicklungsprozess.

...nach oben...